Immobilienentwickler entlasten den deutschen Mietmarkt

Wohnen in deutschen Metropolen wird immer teurer. Mieter klagen über Wohnungsnotstand und jährlich steigende Kosten. Große Immobilienentwickler sollen Abhilfe schaffen und B-Lagen aufwerten.

City Tower in Essen, Projekt der Magna Immobilien AG aus Hamburg

City Tower in Essen, Projekt der Magna Immobilien AG aus Hamburg

Der Immobilienboom in deutschen Großstädten ist ungebrochen. Spitzenreiter bei Mietpreissteigerung ist Berlin mit fast 10 Prozent, dicht gefolgt von München mit rund neun Prozent. Als Hauptgrund nennen Immobilienexperten den weiterhin anhaltenden Trend zur Urbanisierung und die größere Zahlungsbereitschaft der Mieter.

In absehbarer Zeit wird sich am Trend zu steigenden Mieten auch nichts ändern solange der Zuzug in die Metropolregionen weiter anhält. In den letzten fünf Jahren hatte alleine Berlin einen Zuwachs von rund einer Viertel Millionen Menschen zu verbuchen. Die Leerstandsquote liegt derzeit gerade einmal bei 1,5 Prozent.

„Billiger können Wohnungen erst dann wieder werden, wenn wir mit dem Wohnungsbau hinterherkommen oder wenn das Interesse am Leben in der Hauptstadt wieder abnimmt“, erklärt Jörn Reinecke, Vorstand des Immobilienentwicklers Magna Immobilien AG.

Die Politik hofft ebenfalls auf die Bauaktivitäten großer Immobilienentwickler um Entlastung auf dem Mietmarkt zu schaffen.

Neben einigen Luxusprojekten in innerstädtischen Toplagen, werden die Immobilienprojekte mittlerweile vor allem in B-Lagen und am Stadtrand realisiert. Das südlich an Berlin angrenzende Teltow wurde auf diese Weise sogar zur am schnellsten wachsenden Gemeinde in Deutschland.

Der Fokus auf B-Lagen hat vor allem den Vorteil, dass sowohl Bauland zur Verfügung steht als auch das Preisniveau für Grundstücke signifikant niedriger ist als in innerstädtischen A-Lagen. Und auch die Anwohner von Gemeinden und Bezirken in denen große Immobilienprojekte entwickelt werden, profitieren von der Bauaktivität. Denn neben der Schaffung von Wohnraum wird in der Regel auch die Infrastruktur verbessert.

Die Magna Immobilien AG baut beispielsweise in Hamburg-Othmarschen 115 Eigentumswohnungen und sorgt gleichzeitig für eine adäquate Infrastruktur für die neuen Mieter. Neben einer Kita für 80 Kinder entstehen ein Supermarkt, ein Kino sowie weitere Freizeitmöglichkeiten von denen Altanwohner ebenfalls profitieren werden.

Auch in München, der Mietpreis-Spitzenreiterin, setzt man auf Großprojekte um den Mietmarkt zu entlasten.

Die Münchner Bauträgergesellschaft CV-Projektentwicklung GmbH plant gemeinsam mit der Magna Immobilien AG derzeit den Bau von 850 gewerblichen Wohneinheiten auf einer knapp 20.000 Quadratmeter großen Fläche der ehemaligen Stahlfirma Klöckner in München-Steinhausen. Insgesamt sollen rund 29.000 Quadratmeter Brutto-Geschossfläche entstehen.

Im Erdgeschoss des Gebäudes, das vom Münchner Büro Auer und Weber entworfen werden soll, sind Handelsflächen zur Nahversorgung mit besonders langen Öffnungszeiten geplant.  Das Projektvolumen liegt bei 180 bis 200 Millionen Euro. Der Bauantrag soll im Herbst eingereicht werden, die Stadt hat die entsprechende Bauvoranfrage positiv beschieden, erklärte der CV-Prokurist Anatol Obolensky gegenüber der Süddutschen Zeitung.

Interview mit Jörn Reinecke, Chef der Magna Immobilien AG

Jörn Reinecke, Vorstand der Magna Immobilien AG, ist seit mehr als 25 Jahren unternehmerisch tätig, vor allem im Immobilienbereich. Seine Projekte haben ein Entwicklungs- und Transaktionsvolumen von rund 2,5 Milliarden Euro. Wir sprachen mit ihm über die Rolle von Immobilienentwicklern für den Wohnungsmarkt.

Immobilienprofi Jörn Reinecke, Vorstand der Magna Immobilien AG

Immobilienprofi Jörn Reinecke, Vorstand der Magna Immobilien AG

Scoredex: Herr Reinecke, Sie gelten als einer der erfolgreichsten Immobilienentwickler in Deutschland. Die derzeitige Entwicklung der Miet- und Kaufpreise insbesondere in Metropolregionen gehört derzeit zu den meistdiskutierten gesellschaftspolitischen Themen. Insbesondere große Immobilienentwickler und Bauträger werden gerne für die rasant steigenden Preise verantwortlich gemacht. Zu Recht?

Jörn Reinecke: Es ist richtig, dass die Kauf- und Mietpreise in den letzten Jahren rasant gestiegen sind. Insbesondere Berlin, aber auch traditionell teure Städte wie München oder Hamburg sind hiervon betroffen. Diese Entwicklung ist allerdings nicht der Tätigkeit  von Immobilienentwicklern und Bauträgern, sondern schlicht dem Markt geschuldet. Solange das Angebot, insbesondere Neubauten und Sanierungen von nicht genutzten Immobilien, nicht mit der steigenden Nachfrage mithalten können, werden die Preise weiter steigen.

In Berlin beispielsweise gab es in den letzten fünf Jahren eine Netto-Zuwanderung von rund 250.000 Menschen. Die Bautätigkeit konnte mit diesem hohen Zuzug nicht mithalten. In der Folge kam es zu Engpässen am Kauf- und Mietmarkt und die Preise stiegen um rund 30 Prozent.

Die Immobilienbranche ist anders als es teilweise in der öffentlichen Wahrnehmung erscheint nicht schuld an den steigenden Mieten. Im Gegenteil: Ohne Bauaktivitäten und der Schaffung von neuem Wohnraum würden die Miet- und Kaufpreise noch deutlich schneller steigen. Eine Entlastung des Marktes ist nur möglich, wenn in den nächsten Jahren massiv in die Schaffung von Mietraum investiert wird.

Scoredex: Gebaut werden vor allem hochpreisige Wohnungen im Luxussegment. Wie soll dies den Mietmarkt für den Otto-Normal-Bürger positiv beeinflussen?

Jörn Reinecke: Der Immobilienmarkt muss immer in seiner Gesamtheit betrachtet werden. Unabhängig vom Preisniveau für Neubauten, die zugegebenermaßen im oberen Segment liegen, was unter anderem an immer strengeren Bauvorschriften und Umweltauflagen, langen Genehmigungsverfahren und nicht zuletzt an den sehr hohen Preisen für Baugrund liegt, die dem Bau von günstigen Wohnraum massiv erschweren, entlastet jeder neugebaute Quadratmeter den Gesamtmarkt.

Jeder Käufer oder Mieter einer neugebauten Wohnung verlässt in der Regel seine alte, meist günstigere Wohnung und konkurriert nicht mehr mit Immobilieninteressen, die sich für günstigere Bestandsimmobilien interessieren. Wenn es der Immobilienbranche gelingen würde mehr neuen Wohnraum zu schaffen, als der Netto-Zuzug in die beliebten Regionen Nachfrage generiert, kann die anhaltende Preissteigerung gebremst, zumindest aber verlangsamt werden.

Die Politik könnte an dieser Stelle unterstützend eingreifen, zum Beispiel durch schnellere Genehmigungsverfahren oder die Vergabe von günstigem Bauland unter bestimmten sozialpolitischen Auflagen. Dieser Ansatz erscheint mir deutlich zielführender als Gesetze wie die Mietpreisbremse, die kaum die erhofften Resultate bringen werden. So einfach lässt sich die Marktlogik von Angebot und Nachfrage nun einmal nicht aushebeln.

Für eine signifikante Entlastung des Marktes müsste allerdings auf breiter Front der Wille vorhanden sein, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Mein Eindruck ist derzeit, dass die Bereitschaft zu einer kooperativen und zielführenden Diskussion steigt. Ich bin aber Unternehmer und kein Politiker, daher halte ich mich mit guten Ratschlägen meist zurück.

Scoredex: Herr Reinecke, vielen Dank für das Gespräch.

Die Zukunft der Finanzbranche: Fintechs und Robo-Advisor

Der Digitalisierung gehört die Zukunft. Duzende Start-Ups sind angetreten, die Finanz- und Versicherungswirtschaft umzukrempeln. Das verwaltete Vermögen der jungen Marktteilnehmer steigt rasant. Doch die etablierten Marktteilnehmer kontern mit eigenen Lösungen.

Robo-Adivsor

Fintechs gehört die Zukunft. (Foto: Shutterstock)

In Deutschland verwalten 40 junge Start-Up-Unternehmen rund 100 Millionen Euro mit Hilfe sogenannter Robo-Advisor. Was überschaubar klingt, ist aber die Zukunft. Bis 2020 könnte das verwaltete Vermögen bereits auf 30 Milliarden Euro steigen, schätzt die Strategieberatung Oliver Wyman. Weltweit läge das Potential sogar bei 440 Milliarden Euro.

Die Ansätze der Fintech-Unternehmen sind dabei so verschieden, wie die Präferenzen ihrer Kunden. Scalable beispielsweise verfügt über eine Genehmigung der BaFin, nimmt Gelder der Kunden an und investiert ohne vor jeder Transaktion eine Zustimmung des Kunden einzuholen. Klassische Vermögensverwaltung quasi, transparent einsehbar über die Onlineplattform des Unternehmens.

Die meisten Konkurrenten in der noch jungen Fintech-Branche verfolgen aber einen anderen Ansatz. Mittels Algorithmen werden für jeden Kunden Empfehlungen für Finanzprodukte erstellt, der Vermittler ersetzt. Der Vertragsabschluss kommt allerdings nicht mit dem Unternehmen selbst, sondern einer Partnerbank zustande. Auf diese Weise wird eine eigene BaFin-Lizenz umgangen.

Banken und Vermögensverwalter geben sich nicht kampflos geschlagen.

Diverse Großbanken experimentieren mit eigenen Robo-Advisor-Konzepten. Seit Dezember 2015 bietet beispielsweise die Deutsche Bank ihren Kunden die Möglichkeit sich mittels eines Robo Advisors eine Anlagestrategie mit verschiedenen ETFs und Fonds zusammenzustellen.

Die Deutsche Bank ist nicht die erste größere Bank, die eine solche automatisierte Beratung in ihr Angebot mit aufnimmt. Bis dato waren es vor allem die Direktbanken ING Diba und Comdirect, die mit Robo-Advisoren ihre Kunden durch ihre Online-Portale führten. Auch die Targobank und die Quirinbank bieten schon Robo-Advisor an.

Versicherungsbranche ist ebenfalls im Visier von Fintechs.

Seit einigen Jahren lehren aggressive Fintechs die Maklerbranche das Fürchten. Während sich die Ertragssituation vieler selbstständiger Makler kontinuierlich verschlechtert hat, glänzen die neuen Marktteilnehmer mit hohen Wachstumsraten. Experten rechnen bereits mit einer Konsolidierungswelle.

Die Platzhirsche können mit hohen Download-Zahlen glänzen und verweisen auf den engen Kontakt zum Kunden. Die App von Platzhirsch Knip wurde seit Gründung des Unternehmens 2013 rund 230.000 Mal heruntergeladen. Und auch die engsten Konkurrenten GetSafe (76.000 Downloads), FinanceFox (33.000) und Clark (20.000) weisen schon nach kurzer Zeit am Markt beachtliche Erfolge nach.

Die starken Akteure im Versicherungsvertrieb allen voran die Maklerpools nehmen die Konkurrenz der Fintechs sehr ernst und kontern mit eigenen Digitallösungen. Jung, DMS & Cie. veröffentlichte Anfang des Jahres die App allesmeins.de, die mittlerweile von 400 Maklern aktiv beim Kunden eingesetzt wird. Neben der IOS-Version hat Jung, DMS & Cie. die App nun auch für Android veröffentlicht, was der Verbreitung weiteren Vorschub geben wird.

Im Gegensatz zu den jungen Fintechs setzt JDC-Chef Dr. Sebastian Grabmaier auf die Verknüpfung von digitaler Welt und persönlicher Beratung. Grabmaier nennt seinen Ansatz hybride Beratung. “Erstmalig kann sich ein Vermittlerkunde einfach und bequem über sein Smartphone online über Anlage- oder Absicherungsprodukte informieren und diese auch sofort abschließen, ohne dass er dabei seine gewohnte Vertrauensperson verliert”, erklärt der JDC-Chef im Inteview mit cash.online.

Auch Norbert Porazik, Chef des Maklerpools Fonds Finanz Maklerservice, setzt seit kurzem auf eine eigene App. Mit der neuen App, die von der Softwarefirma Softfair entwickelt wurde, plant Fonds-Finanz-Chef Norbert Porazik seinen Maklern alle Features, die zur Verwaltung von Maklerkunden notwendig sind anzubieten. Man befinde sich mit dem neuen Konzept auf Augenhöhe mit der wachsenden Fintech-Konkurrenz.

“Mit unserer neuen App muss kein Makler mehr die Konkurrenz von großen Vergleichsportalen oder Fintechs fürchten”, kommentierte Norbert Porazik, geschäftsführender Gesellschafter der Fonds Finanz, gegenüber dem Branchenmagazin cash online. “Wir geben ihnen ein vollwertiges virtuelles Maklerbüro an die Hand, das auch Endkunden begeistern wird.”

Immovation-Chef Lars Bergmann gibt Dresden ein neues Gesicht

Der Abriss und Neubau des ehemaligen Robotron-Komplexes ist das größte Bauprojekt der Sächsischen Metropole. Bis 2025 will Immobilienprofi Lars Bergmann auf 100.000 Quadratmetern das Gesicht Dresdens verändern. Die neue Lingerstadt ist der Höhepunkt der steilen Karriere des Immovation-Vorstands.

Lars Bergmann

Lars Bergmann, Vorstand der Immovation AG aus Kassel.
(c) Immovation AG

Im November 2014 hat die Immokles AG, ein Tochterunternehmen der Kassler Immovation AG, den Robotron-Komplex in Dresden erworben. Seit über zehn Jahren plant die Stadt den Abriss und Neubau des Areals im Herzen der Sachsen-Metropole.

Derzeit arbeiten Immovation und die Stadt an einem Bebauungsplan für das Areal, das in Zukunft als Lingerstadt zwischen 2.500 und 3.000 Wohnungen und Geschäfte in unmittelbarer Nähe zur Dresdner Altstadt beherbergen soll. Bis zum 3. Quartal 2016 plant die Stadt den Bebauungsplan fertig zu stellen, um im ersten Halbjahr 2017 die baurechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.

Die ersten Entwürfe ausgewählter Architekten wurden Anfang des Jahres in einem sogenannten Werkstattverfahren der Stadtverwaltung vorgestellt, um einen möglichst breiten Konsens zu erzielen. Lars Bergmann erklärt:

„Mit dem Werkstattverfahren wollen wir zusammen mit der Stadt Dresden eine bauliche Lösung finden, die von möglichst vielen Beteiligten getragen wird.“

Ein Gremium, besetzt mit  Dresdens Baubürgermeister Schmidt-Lamontain, Stefan Szuggat, Leiter des Stadtplanungsamtes, Mitarbeitern verschiedener Fachbereiche der Stadt, Mitgliedern des Stadtparlamentes sowie Vertretern der IMMOVATION-Unternehmensgruppe, bewertet derzeit die Entwürfe. Und die Stadtverwaltung scheint sehr zufrieden mit den vorgelegten Entwürfen zu sein. Stefan Szuggat, Leiter des Stadtplanungsamtes, kommentiert die Konzepte der Architekten:

„Gleich mehrere Entwürfe zeigen Ideen, die jetzt weiter konkretisiert werden müssen. Wir sind auf einem guten Weg.“

Lars Bergmann ist sich der historischen Verantwortung bewusst, die er mit dem Bau des neuen Quartiers übernommen hat.

Anfang des Jahres haben die Abrissarbeiten auf dem Robotron-Areal begonnen. Nach der Entkernung des Atriums an der Bürgerwiese/St. Petersburger Str. wird das Gebäude abgerissen. An dieser Stelle plant die Immovation AG die ersten Gebäude der Lingerstadt zu errichten, sobald die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen wurden. Das Atrium an der Lingener Allee, welches derzeit von gewerblichen Mietern genutzt wird, soll hingegen noch für Jahre erhalten bleiben.

Die Immovation AG versucht in Kooperation mit dem Amt für Kultur und Denkmalschutz, während der Abrissarbeiten möglichst viele historische Zeugnisse zu retten. Lars Bergmann erklärt in der Sächsischen Zeitung:

„Das Robotron-Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz. Durch die frühzeitige Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde haben wir dennoch dafür Sorge getragen, dass eventuell erhaltenswürdige Gebäudeteile rechtzeitig gesichert werden.“

Die mit dem Abriss beauftragte Firma Nestler hat bereits historisch relevante Gebäudeteile exemplarisch gesichert. Die künstlerisch bemalten Bleiglasfenster auf der Hofseite des Gebäudes sollen jetzt von einer Spezialfirma ausgebaut werden, ohne diese zu beschädigen. Der Versuch gilt als technisch anspruchsvoll, doch Lars Bergmann will nichts unversucht lassen:

„Wir gehen zwar davon aus, dass die Einschätzung des Fachunternehmens zutrifft, aber wir wollen dennoch nichts unversucht lassen. Daher haben wir in Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz jetzt vor, zusammen mit den Profis der Firma Nestler zu versuchen, zwei vollständige Fenster aus zwei Stockwerken zu entnehmen. Ob dies gelingt, wird erst der Versuch zeigen.“

Nach dem Ausbau sollen die Bleiglasfenster der Denkmalschutzbehörde übergeben und im Lapardium Dresden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Versicherungs-Fintech Clark wirbt mit 150€ Bestandskunden-Prämie

Dr. Christopher Oster, Geschäftsführer der Clark Germany GmbH.

Das Fintech-Unternehmen Clark hat seit Markteinführung Anfang 2015 die Versicherungsbranche in Aufruhr versetzt. Jetzt will das Unternehmen mit einer aggressiven Werbekampagne das eigene Wachstum forcieren. Die Versicherungsbranche kontert mit eigenen Innovationen.

Nach dem Prinzip „Kunden werben Kunden“ buhlt Clark aktuell um Bestandskundenbestände. 150 Euro erhalten Tippgeber, wenn ein empfohlener Neukunde ein Maklermandat an Clark überträgt. Das Unternehmen erhofft sich von der Kampagne, Bestände klassischer Makler abwerben zu können. Nach dem 15. Februar wird diese Prämie wieder auf 50 Euro reduziert, erklärt Dr. Christopher Oster, Geschäftsführer der Clark Germany GmbH.

Die Kampagne von Clark unterstreicht das aggressive Vorgehen einiger Fintech-Unternehmen, die klassischen Finanz- und Versicherungsberatern in den letzten Jahren immer stärker zusetzen. Die jungen Fintechs glänzen beim Kunden vor allem durch niedrigere Kosten beziehungsweise der Rückerstattung von Provisionen.

Ohne Außendienst konnten die “jungen Wilden” auf diese Weise innerhalb kurzer Zeit mehr als 200.000 Kunden für sich gewinnen. Am erfolgreichsten am deutschen Markt agiert derzeit das Unternehmen „Friedensurance“, das seit seiner Gründung 80.000 Kunden gewinnen konnte.

Venture-Kapital-Investoren setzen derzeit große Summen auf einen Marktumbruch mittels Fintech. Alleine die acht größten Fintech-Unternehmen in Deutschland wurden mit mehr als 100 Millionen Euro Risikokapital ausgestattet. Und auch bei Clark finanziert mit der Springer-Tochter WeltNet24 ein kapitalstarker Investor das Wachstum.

Doch die Platzhirsche der Versicherungs- und Finanzbranche geben nicht ohne weiteres klein bei und kontern mit eigenen Produkten und Fintechlösungen. Seit Dezember dieses Jahres bietet beispielsweise die Deutsche Bank ihren Kunden die Möglichkeit, sich mittels eines Robo Advisors eine Anlagestrategie mit verschiedenen ETFs und Fonds zusammenzustellen.

Früher dran war Dr. Sebastian Grabmaier. Der Vorstandsvorsitzende des Münchener Maklerpools Jung, DMS & Cie., hat das Thema Digitalisierung frühzeitig für sich entdeckt und setzt auf hauseigene Lösungen, um seine angeschlossenen Makler für die Herausforderungen des digitalen Wandels zu wappnen.

Mit der App “allesmeins” bietet Jung, DMS & Cie. Endkunden per Smartphone einen transparenten Überblick über sämtliche Versicherungsverträge und Investments. Zudem können einfache Transaktionen direkt per Handy abgeschlossen werden.

Auch der größte deutsche Maklerpool Fonds Finanz zog Anfang des Jahres nach. Ab heute steht Vermittlern der Fonds Finanz eine eigene App zur Kundenverwaltung zur Verfügung. Mit der neuen App, die von der Softwarefirma Softfair entwickelt wurde, plant Fonds-Finanz-Chef Norbert Porazik seinen Maklern alle Features, die zur Verwaltung von Maklerkunden notwendig sind anzubieten. Man befinde sich mit dem neuen Konzept auf Augenhöhe mit der wachsenden Fintech-Konkurrenz.

Chorus Clean Energy AG auf Wachstumskurs

Die auf den Betrieb von Solar- und Windkraftanlagen spezialisierte Chorus Clean Energy aus Neubiberg bei München hat nach drei erfolgreichen Quartalen den Jahresendspurt abgeschlossen. Mehrere neue Solar- und Windparks mit mehr als 50 Megawatt wurden im vierten Quartal 2015 erworben.

Vorstand der Chorus Clean Energy AG. Heinz Jarothe, Holger Götze und Helmut Horst (v.l.n.r.)

Vorstand der Chorus Clean Energy AG. Heinz Jarothe, Holger Götze und Helmut Horst (v.l.n.r.)

Das letzte Jahr war eine Erfolgsgeschichte für die Chorus Clean Energy AG. In den ersten neun Monaten 2015 konnten die Neubiberger Energieprofis Umsätze in Höhe von 49 Millionen Euro verbuchen, davon alleine 18,1 Millionen Euro im dritten Quartal. 46,5 Millionen Euro waren Erträge aus dem Betrieb von 62 eigenen Solar- und Windkraftparks, weitere 2,5 Millionen Euro steuerte der Bereich Asset-Management zum Ergebnis bei.

Vor Steuern, Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) konnte das Chorus-Management ein Ergebnis von 39,5 Millionen Euro erwirtschaften, das Nettoergebnis lag bei 12,0 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum stieg das Eigenkapital auf 133,9 Millionen Euro und die Eigenkapitalquote auf 26,9 Prozent.

Holger Götze, Vorstandsvorsitzender der Chorus Clean Energy AG, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis: „Seit dem Börsengang am 7. Oktober haben wir bereits zwei neue institutionelle Kunden hinzugewonnen. Für diese werden wir ein Anlagen-Portfolio zusammenstellen und anschließend das Asset Management übernehmen. Unserer Wachstumsstrategie folgend, werden wir auch in den kommenden Monaten unsere beiden Kerngeschäftsfelder weiter stärken.”

Holger Götze ließ seinen Worten, Taten folgen und setzte auch im vierten Quartal 2015 auf Wachstum.

Im November teilte die Chorus Clean Energy mit, dass sie den Windpark „Appeln” im niedersächsischen Beverstedt nahe Cuxhaven für rund 21 Millionen Euro erworben habe. Die Gesamtleistung der vier Anlagen im Park beträgt 11,4 Megawatt. Der Windpark profitiert in den nächsten 20 Jahren von garantierten Einspeisevergütungen.

Im Dezember folgten dann weitere Akquisitionen in Deutschland und Österreich. In Zagersdorf im österreichischen Burgenland erwarb die Chorus Clean Energy AG einen Windpark mit einer Gesamtleistung von mehr als sieben Megawatt. Die Anlage soll voraussichtlich im April 2016 ans Netz gehen und 13 Jahre lang von garantierten Einspeisevergütungen profitieren. Ein weiterer österreichischer, von Chorus erworbener Park in Herrenstein in der Steiermark soll voraussichtlich 2017 ans Netz angeschlossen werden.

In Deutschland hat die Chorus Clean Energy AG jeweils einen Solar- und Windpark im Auftrag institutioneller Kunden erworben. Der Windpark im niedersächsischen Landkreis Osterholz besteht aus sechs Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 18 Megawatt. In Thüringen wurde am 15. Dezember 2015 ein Windpark mit einer Gesamtleistung von drei Megawatt ans Netz angeschlossen.

Chorus-Vorstandschef Holger Götze kommentiert die Akquisitionen: „Im Rahmen unserer Wachstumsstrategie konzentrieren wir uns neben dem Ausbau des eigenen Portfolios mit den Mitteln aus dem Börsengang intensiv auf den weiteren Aufbau unseres Asset-Management-Geschäfts. Wir freuen uns, mit diesen beiden Akquisitionen das nachhaltige Portfolio unserer institutionellen Kunden erfolgreich abgerundet zu haben und stärken damit unsere Positionierung als einer der führenden Anbieter von Dienstleistungen im Bereich Asset-Management für institutionelle Investoren.”

Über die CHORUS Gruppe

Die CHORUS Gruppe wurde im Jahr 1998 gegründet und betreibt Solar- und Windparks in fünf Ländern Europas. Einschließlich der jüngsten Transaktionen wurden Investitionen in 72 Solar und Windparks mit einer Leistung von mehr als 307 Megawatt realisiert. Für Investoren bietet CHORUS ebenfalls Investitionsmöglichkeiten in Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien an. Die CHORUS Clean Energy AG deckt den gesamten Investitionszyklus einer Anlage ab – vom Assetsourcing über die wirtschaftliche und rechtliche Due Diligence, dem Monitoring bis hin zur Veräußerung.

Sind Fintechs eine Gefahr für Makler?

Fintechs sind eines der Top-Themen in der Finanzbranche. Für die einen sind Fintechs Start-Up-Unternehmen, denen die Zukunft gehören wird, andere Marktteilnehmer sehen mehr heiße Luft als eine Revolution. Fakt ist: Millionen Euro Venture-Capital wurden investiert, um den größen Fintechs in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen.

Die Ertragssituation vieler Versicherungsmakler und Finanzberater verschlechtert sich seit Jahren kontinuierlich. Sinkende Provisionen, hoher Wettbewerb und ein stark wachsendes Onlinegeschäft, dass von jungen, innovativen Spielern domieniert wird, haben den Markt drastisch verändert. Gleichzeitig stiegen Zeit- und Kostenaufwand für Dokumentation und Verwaltung, durch strengere Vorgaben der Politik.

Es scheint im Grunde nur eine Möglichkeit für die Branche zu geben: neue Akquise- und Vertriebskanäle zu erschließen – und zwar online. So jedenfalls sehen es Venture-Kapitalisten, die an die Zukunft einer digitalen Finanzberatung und Versicherungsvermittlung glauben wollen. Alleine die acht größten Fintech-Unternehmen in Deutschland wurden mit mehr als 100 Millionen Euro Risikokapital ausgestattet.

Die jungen Fintechs glänzen beim Kunden vor allem durch niedrigere Kosten beziehungsweise der Rückerstattung von Provisionen. Ohne Aussendienst konnten die “jugen Wilden” auf diese Weise innerhalb kurzer Zeit mehr als 200.000 Kunden für sich gewinnen. Am erfolgreichsten am deutschen Markt agiert derzeit Friedensurance, welches seit Gründung 80.000 Kunden gewinnen konnte.

Eine eklatante Schwäche der Fintechs meint Oliver Pradetto, Chef des Maklerpools Blau direkt, allerdings ausgemacht zu haben. Aus seiner Sicht haben die neuen Markteroberer wenig zu bieten, ausser knackigen Apps, ohne echten Merhwert für den Kunden – abgesehen von den niedrigeren Provisionen.

Dafür sei der Service deutlich schwächer als bei klassischen Maklern, denn alle aht großen Fintechs hätten gemeinsam gerade einmal 120 Mitarbeiter. Und auch die versprochene “Selbstverwaltung” der Kunden sei häufig mehr Schein als Sein. Oliver Pradetto umschreibt das Geschäftsmodell daher kurz und bündig als „Vertragsklau gegen Provisionsabgabe“.

Ganz anders sehen hingegen die größten deutschen Maklerpools die Situation.

Jung DMS, BCA und Fondsfinanz sind selbst in das Fintech-Geschäft eingestiegen und sehen die neuen Technologien als Chance für ihre Makler und weniger als Risiko. Jung DMS & Cie. beispielsweise investiert seit einiger Zeit massiv in den Ausbau von Multi-Channel Plattformen und modernen Vertriebstechnologien zur Unterstützung ihrer Makler.

Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender von Jung DMS & Cie. erklärt im Fachmagazin Asscompact: “JDC bietet hier über 30 spartenübergreifende Vergleichs- und Rechentools. So verdienen Berater durch Onlineabschlüsse mit der eigenen Website nicht nur Geld, sondern erreichen durch die sozialen Netzwerke zahlreiche andere neue Kundenkontakte durch Weiterempfehlungen über die sozialen Netzwerke.”

Aber auch für Makler, die den technologischen Wandel nicht mitgehen wollen, hat Jung DMS & Cie. ein Angebot parat. Allen Maklern, die sukzessive aus dem Geschäft aussteigen und in den Ruhestand wechseln möchten, sichert die DMR Deutsche Makler Rente von Jung, DMS & Cie. das Lebenswerk der Vermittler.

Bei Geschäftsaufgabe aus Alters- oder Krankheitsgründen garantiert JDC diesen ein Anrecht auf Bestandskauf, wenn die Makler in den vorhergegangenen drei Jahren einen Großteil ihrer Bestände bei Jung, DMS & Cie. geführt und den Großteil ihres Geschäfts bei Jung, DMS & Cie. eingereicht haben. “Egal, ob als Anlageberater oder Vermittler in den Bereichen Lebensversicherung, Krankenversicherung oder Sachversicherung: alle Makler erwartet eine faire Bewertungsanalyse”, verkündet JDC.

Zum Scoredex-Profil von Jung DMS & Cie.

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Auswirkungen des Kleinanlegerschutzgesetzes für den Vertrieb von Kapitalanlagen

Bildquelle: Wikipedia

Seit dem 10. Juli 2015 gelten die Regelungen, des durch das Kleinanlegerschutzgesetz reformierten Vermögensanlagegesetzes. Der Gesetzgeber hofft durch die Novellierung, Anleger besser vor riskanten Kapitalanlagen zu schützen. Spätestens am 15. Oktober diesen Jahres enden auch die letzen Übergangsfristen, beispielsweise für die Vermittlung von Direktinvestments ohne Gewerbeerlaubnis nach §34f (3) GewO. Grund genug sich mit den Folgen des neuen Vermögensanlagegesetzes für die Emittenten und Vermittler von Kapitalanlegeprodukten zu beschäftigen.

Eine der wesentlichen Änderungen im Vermögensanlagegesetz ergeben sich aus dem erweiterten §13 VermAnlG. Demnach müssen Vermittler von Kapitalanlagen in Zukunft ihren Kunden auf maximal drei Seiten ein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) aushändigen. In diesem müssen mindestens folgende Angaben enthalten sein, erklären Prof. Dr. Klaus Bröker und Dr. Jürgen Machunsky in einem Essay für procontra:

- Art der Vermögensanlagen
- Anlagestrategie
- Anlagepolitik
- Anlageobjekte
- mit der Vermögensanlage angesprochene Anlegergruppe
- Verschuldungsgrad des Emittenten, berechnet auf Grundlage des letzten aufgestellten Jahresabschlusses
- Laufzeit und Kündigung der Vermögensanlagen
- mit der Vermögensanlage verbundene Risiken
- Aussichten für die Kapitalrückzahlung und Erträge unter verschiedenen Marktbedingungen
- mit der Vermögensanlage verbundene Kosten und Provisionen
- Identität des Anbieters
- Hinweis darauf, dass VIB nicht der Prüfung der BaFin unterliegt
- Hinweis auf den Verkaufsprospekt und wo er kostenlos erhältlich ist
- Hinweis auf den letzten offen gelegten Jahresabschluss und wo dieser erhältlich ist
- Hinweis darauf, dass der Anleger eine Anlageentscheidung auf die Prüfung des gesamten Prospektes stützen sollte
- Hinweis darauf, dass Ansprüche auf Grundlage des VIB nur unter bestimmten Bedingungen bestehen

Ausdrücke wie “Fonds” oder Begriffe, die das Wort “Fonds” enthalten dürfen im VIB genusowenig enthalten sein, wie ein Hinweis auf die Befugnisse der BaFin. Dafür muss das VIB nach der erweiterten Aktualisierungspflicht in Zukunft auch das Datum der letzten Aktualisierung sowie die Anzahl der vorgenommenen Aktualisierungen seit der Erstellung der ersten Version des VIB enthalten.

Vermögensanlagen für die keine Prospektpflicht besteht, müssen zudem mit einem besonderen Warnhinweis versehen werden. Dieser lautet nach §13 Abs. 3A VermAnlG: “Für die Vermögensanlage wurde kein von der Bundesanstalt gebilligter Verkaufsprospekt erstellt. Weitergehende Informationen erhält der Anleger unmittelbar vom Anbieter oder Emittenten der Vermögensanlage.”

Des Weiteren müssen Kapitalanlagen in Zukunft bereits auf der ersten Seite des VIB mit einem Warnhinweis auf die Risiken der Investments ausgestattet werden. Der vorgegebene Wortlaut lautet: “Der Erwerb dieser Vermögensanalgen ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des Eingesetzten Vermögens führen.”

Hinzu kommt, dass der Anleger die Kenntnisnahme eines solchen Warnhinweises vor Vertragsschluss unter Nennung von Ort und Datum durch seine Unterschrift mit Vor- und Familienname auf dem VIB zu bestätigen hat. Bei Fernabsatzgeschäften muss dem Anleger das VIB nicht nur ausgehändigt werden, sondern dieser muss die Kenntnisnahme der Warnhinweise zusätzlich schriftlich oder in einer Unterschriftenleistung gleichzusetzenden Form bestätigen.

Die Folgen von Pflichtverletzungen sind immens. Anbieter beziehungsweise Vertriebe haften in Zukunft nicht nur für fehlerhafte VIB, sondern auch für fehlende, nicht übergebene oder nicht unterschriebene VIB. Anleger können in diesen Fällen eine Rückabwicklung der Kapitalanlage vom Anbieter verlangen. Dieser ist verpflichtet alle Kosten für den Erwerb zu erstatten.

Die neuen Regelungen des Vermögensanlagengesetzes schränken die Möglichkeiten des Vertriebs von Kapitalanlagen ohne Prospekt massiv ein.

Das Kleinanlegerschutzgesetz hat zum Ziel Ausnahmen von der Propektpflicht von Kapitalanlagen auf ein Minimum zu beschränken. Dr. Ferdinand Unzicker, Partner der Kanzlei Lutz Abel Rechtsanwalts GmbH geht davon aus, dass im Grunde genommen nur noch bestimmte Arten der genossenschaftlichen Beteiligungen, Schwarmfinanzierungen (Crowd-Funding) sowie soziale und gemeinnützige Projekte von der Prospektpflicht befreit sind.

In den letzten Jahren insbesondere bei Finanzvertrieben populäre Anlageformen wie Nachrangdarlehen, partiarische Darlehen, aber auch Direktinvestments in Gold, Immobilien oder andere Sachwerte unterliegen in Zukunft hingegen der Propektpflicht.

Entsprechende Produkte hatten bis dato den Vorteil, dass seriöse Anbieter zwar ebenfalls Informationsmaterialien, die Prospekten ähnelten veröffentlichten, diese aber mit einem deutlich niedrigeren Aufwand erstellt werden konnten, da eine Billigung durch die BaFin nicht notwendig war. Für die Vertriebe lag der Vorteil vor allem in der Tatsache, dass Finanzvermittler von prospektfreien Produkten keine Zulassung nach §34f GewO benötigten.

Ausnahmen von der Propektpflicht bestehen in Zukunft nur noch bei besonders niedrigen Gesamtemmisionsvolumina bis maximal 100.000 Euro, sowie für Großinvestitionen ab mindestens 200.000 Euro Mindestzeichnungssumme. Ebenfalls von der Prospektpflicht ausgenommen sind Beteiligungsangebote bei denen maximal 20 Anteilsscheine angeboten werden.

Beteiligungen an Genossenschafsbanken dürfen in Zukunft nur dann prospektfrei angeboten werden, wenn keinerlei Provisionen an Vertriebe ausgeschüttet werden. Gleiches gilt für Nachrangdarlehen, die bei Genossenschaftsmitgliedern eingeworben werden. Kombinierte Angebote, bei denen sowohl ein neues Genossenschaftsmitglied geworben wird und diesem gleichzeitig ein Nachrangdarlehen verkauft wird, fallen hingegen in Zukunft unter die Prospektpflicht.

Über das Internet vertriebene Kapitalanlagen dürfen nur bis zu einem Maximalbetrag von 1.000 Euro vermittelt werden.

Höhere Investments bis zu 10.000 Euro sind nur gestattet, wenn der Anleger über ein freies Vermögen von mindestens 100.000 Euro verfügt und das Investment zwei Nettomonatseinkommen nicht übersteigt. Plattformbetreiber müssen entsprechend nicht nur eine Kontrolle der Investitionsbeträge vornehmen, sondern auch eine Geeignetheits- und Plausibilitätsprüfung vornehmen. Zudem steht Anlegern grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht zu.

Soziale und gemeinnützige Projekte dürfen auch nach den neuen Regelungen des Kleinanlegerschutzgesetzes prospektfrei angeboten werden, wenn das maximale Emissionsvolumen 2,5 Millionen Euro nicht überschreitet und zudem keine Provisionen gezahlt werden.

Vertriebsmitarbeiter, die sich über die Folgen des Kleinanlegerschutzgesetzes, insbesondere die Änderungen beim Vertrieb von Direktinvestments, informieren möchten, haben im Zuge der Informationsveranstaltungen “JDC Sachwertmeetings Herbst 2015″ hierzu eine gute Möglichkeit.

Ziel der Informationsveranstaltungen ist es, die angeschlossenen Vermittler des Maklerpools Jung DMS & Cie. optimal über die zukünftigen Gesetzesänderungen zu informieren und die wichtigsten Rechtsfragen und regulatorischen Änderungen zu erläutern.

Die Verantstaltungen finden in den nächsten Wochen deutschlandweit statt: Hamburg (25.9.), Düsseldorf (30.9.), Stuttgart (2.10.), Leipzig (6.10.), Berlin (7.10.) und München (9.10.).

Angeschlossene Makler des Maklerpools Jung DMS & Cie. können sich auf der JDC-Homepage das Anmeldeformular herunterladen.

Immobilien-Experte Lars Bergmann über die Flucht ins Betongold

Lars Bergmann, Vorstand der IMMOVATION AG, sieht keine generelle Überhitzung im Immobilienmarkt. Wegen der Niedrigzinsen sei Kaufen noch immer billiger als Mieten. Doch weil der Markt im Moment hohe Preise zahlt, brauche man einen sehr guten Research, wenn man vernünftige Immobilien kaufen will.

Lars Bergmann, Vorstand der Immovation AG

Lars Bergmann, Vorstand der Immovation AG

Scoredex: Wie sind Sie im Immobilienbereich gelandet?

Lars Bergmann: Meine Familie hat mir das Thema sozusagen in die Wiege gelegt. Ich bin Finanzdienstleister und Immobilienunternehmer in der vierten Generation. Ich habe mich zu Beginn meines Studiums noch für das Bankwesen und die Börse interessiert, musste jedoch feststellen, dass man an der Börse auch Geld verlieren kann (lacht).

Danach bin ich zurückgekehrt zum Immobiliengeschäft, habe jedoch nicht das Unternehmen meiner Eltern übernommen, sondern 1988 eine eigene Firma gegründet. Im Jahr 1996 wurde dann die IMMOVATION-Firmengruppe ins Leben gerufen.

Scoredex: Was unterscheidet die IMMOVATION AG von anderen Immobilienunternehmen?

Lars Bergmann: Im Gegensatz zu anderen Immobilienunternehmen decken wir die gesamte Wertschöpfungskette ab. Wir fokussieren uns dabei nicht nur auf Gewerbeimmobilien, denkmalgeschützte Immobilien oder das Bauträgergeschäft, sondern sind in allen Segmenten aktiv.

Kritiker mögen uns deshalb vorwerfen, wir seien ein Bauchladen. Ich sehe das anders: Mit den verschiedenen Geschäftsfeldern streuen wir das Risiko. Denn wir können nie absolut sicher sein, wie lange beispielsweise das Bauträgergeschäft oder der Markt mit denkmalgeschützten Immobilen sich weiter so gut entwickeln. Außerdem können wir mit dieser breiten Aufstellung mögliche Schwankungen in einem Geschäftsfeld durch Einnahmen eines anderen ausgleichen.

Zudem verstehen wir uns als Wertschöpfer, das heißt, wir steigern den Wert einer Immobilie beispielsweise durch Renovierungen.

Scoredex: Was sind Ihre wichtigsten Geschäftsbereiche?

Lars Bergmann: Der überwiegende Anteil unserer Geschäftstätigkeit ist im wohnwirtschaftlichen Bereich anzusiedeln. Und zwar über alle Sparten: Sowohl im Bauträgergeschäft als auch im Denkmalschutz oder im Revitalisierungsbereich.

Scoredex: Wie schätzen Sie allgemein die aktuellen Entwicklungen im Immobilienbereich ein?

Lars Bergmann: Wir sehen den Markt mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Als Verkäufer profitieren Sie im Moment, wenn Sie etwas Gutes zu verkaufen haben. Wenn der Standort stimmt, das Produkt stimmt, die Lage stimmt, dann bekommen Sie hervorragende Preise.

Für Käufer gibt es dagegen auch negative Aspekte. Weil der Markt im Moment gute Preise zahlt, muss man lange suchen oder hohe Preise zahlen, wenn man etwas Vernünftiges kaufen will. Allerdings haben wir einen hervorragenden Research, der auch die berühmte Nadel im Heuhaufen findet.

Scoredex: In welchen Lagen investieren Sie bevorzugt?

Lars Bergmann: Wir verfolgen die Strategie, an einem B-Standort die A-Lage zu kaufen und nicht die B-Lage an einem A-Standort. Das heißt, wir gehen lieber in die Peripherie und nicht in die TOP-7-Städte.

In den B-Standorten ist einfach mehr Musik für uns drin, als an den großen Standorten wie München, Hamburg oder Frankfurt am Main. Dort ist es mittlerweile wegen der hohen Kaufpreise schwer, etwas Vernünftiges zu finden. Berlin ist eine Ausnahme. Wir sind der Meinung, dass dort noch einiges geht, weil es Nachholbedarf gibt.

Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass IMMOVATION mittlerweile zum Value-Adder geworden ist, das heißt wir sind im weitesten Sinne Projektentwickler. Wenn wir eine Bestandswohnanlage kaufen, suchen wir auch dort den value-add (= Mehrwert, Anm. d. Red.). Eventuell gibt es einen Vermietungsrückstand, es stehen Wohnungen leer oder wir renovieren so, dass wir im Anschluss die Mieten anpassen können.

Wir versuchen, alle Objekte, die wir kaufen, mit dem value-add-Gedanken zu betrachten und eine höhere Wertschöpfung zu generieren. Das schaffen wir eher an einem B-Standort in A-Lage, als an einem A-Standort mit B-Lage. Denn in den A-Lagen kaufen Sie im Moment einfach zu teuer ein.

Scoredex: In den letzten Jahren war viel von der „Flucht ins Betongold“ die Rede. Glauben Sie, dass dieser Trend anhält?

Lars Bergmann: Die Geschwindigkeit, mit der viele in die vermeintlich sichere Immobilie investieren, ist enorm. Ich sage deswegen vermeintlich, weil man immer genau hinschauen muss. Denn nicht alles, was glänzt, ist auch Betongold. Es hat in diesem Bereich ja genug Pleiten gegeben in den letzten Jahren.

Immobilien sind also kein Allheilmittel. Fakt ist aber, dass aufgrund des Zinsmarktes sehr viele in den vermeintlich sicheren Hafen der Immobilie gehen.
Erstens, weil die Banken im Moment Immobilien gut finanzieren. Der Eigentumswohnungsbereich boomt ja auch deswegen, weil viele einfach feststellen, dass sie mit dem Kauf einer Wohnung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können, nämlich das Inflationsthema und die eigene Liquidität.

Bei den aktuell niedrigen Zinsen können Sie billiger kaufen, als Sie mieten können. Wir haben hier also eine Schere: Die Mieten steigen permanent an, während Sie aufgrund des niedrigen Zinsniveaus billiger wohnen, wenn Sie kaufen. Daraus resultiert der Trend zu selbst genutztem Immobilieneigentum.
Zweitens haben viele Kapitalanleger das Problem der Inflation. Wenn sie bei einer Bank quasi Negativzinsen erhalten, dann akzeptieren die Kunden auch eher zwei bis drei Prozent Rendite aus einer Immobilie, damit sie überhaupt noch eine Rendite haben.

Der Run auf Immobilien ist also zweierlei Dingen geschuldet: Inflationsangst und natürlich die niedrigen Zinsen. Was das Zinsthema angeht – und das ist ein sehr wichtiger Aspekt – wird dieses Niveau wohl noch die nächsten zwei bis drei Jahre anhalten.

Scoredex: Was verstehen Sie unter dem niedrigen Zinsniveau?

Lars Bergmann: Mit Niveau meine ich nicht Änderungen von 0,25 oder 0,5 Prozent – das ist keine echte Steigerung. Ob wir jetzt einen Zins von -0,2 Prozent oder +0,5 Prozent haben, das macht den Kohl nicht fett.

Wenn wir von Zinssteigerungen reden, meinen wir wirklich signifikante Zinssteigerungen von drei oder vier Prozent. Und eine solche Entwicklung sehen wir derzeit nicht, zumindest nicht in den nächsten zwei bis drei Jahren.

Solange im Markt noch billiges Geld vorhanden ist, sind auch die großen Investoren geneigt, in den vermeintlich sicheren Bereich der Immobilien zu investieren, weil sich in diesem Segment noch gutes Geld verdienen lässt, einfach durch das Zinsdifferenzgeschäft.

Scoredex: Kurz gesagt ist der Immobilienmarkt noch nicht überhitzt, sondern es ist noch Luft nach oben, solange das Zinsniveau auf dem heutigen Stand bleibt?

Lars Bergmann: Ich sehe keine generelle Überhitzung. Natürlich gibt es das eine oder andere individuelle Standortproblem. Wenn Sie in München am Stachus etwas kaufen wollen und Sie müssen dort einen Preis von 20.000 Euro pro Quadratmeter bezahlen, dann glaube ich kaum, dass das ein gutes Geschäft ist.

Grundsätzlich sehe ich aber keine Überhitzung im Markt, weil das Darlehensvolumen – übrigens eine ganz entscheidende Größe – sich nicht ausgeweitet hat, sehr wohl aber die Nachfrage.

Die Preise, zum Beispiel in Berlin, die wir im Moment sehen und die ja auch gezahlt werden, zeigen, dass die Nachfrage die wir haben eine echte Nachfrage ist und keine spekulative. Das sieht man auch daran, dass mittlerweile viele Immobilien einfach bar bezahlt werden.

Scoredex: Wie ist Ihre Strategie für den Standort Berlin?

Lars Bergmann: Wir haben gerade unser Berlin-Portfolio aufgelöst, weil wir uns gesagt haben, dass wir die guten Werte mitnehmen und verkaufen. Von allen acht Verkäufen, die wir gemacht haben – und wir reden hier von größeren Projekten – waren weit über die Hälfte Barzahler. Das sind also keine Käufer, die zur Bank gehen müssen, um sich Geld zu leihen.

Das zeigt uns wiederum, dass Preise, die bei mehr als dem 20-fachen der Jahresnettomieten liegen, was mittlerweile in Berlin schon normal ist und vor vier oder fünf Jahren niemand erwartet hätte, etwas mit echter Nachfrage zu tun haben und nicht mit Blasenbildung, die spekulativ getrieben ist.
2007/2008 war das anders: Das Spekulative, woraus 2007/2008 Blasen entstanden sind, wurde damals von den Banken finanziert. Aber das passiert derzeit nicht. Unter anderem ist dies auch den Änderungen nach Basel III geschuldet. Die Kriterien, um von einer Bank Geld zu bekommen, haben sich so verschärft, dass Dinge wie sie 2007/2008 geschehen sind, heute nicht mehr passieren würden.

Scoredex: Mit der Ausnahme von Standorten wie München…

Lars Bergmann: Ja, so etwas gibt es auch in Hamburg an der Binnenalster. Dort bezahlt man derzeit Preise, wo man nur noch sagen kann: „Wahnsinn!“ Aber an solchen Standorten kaufen wir auch nicht.

Scoredex: Welchen Vorteil habe ich als Anleger bei Investments in Immobilienfonds im Vergleich zu anderen Anlageklassen oder Direktinvestments?

Lars Bergmann: Wenn Sie heute eine Immobilie kaufen wollen, dann müssen Sie recht finanzstark sein und mindestens 100.000 und 200.000 Euro investieren. Es gibt aber viele Menschen, die nur 10.000 oder 20.000 Euro übrig haben und sich trotzdem gerne an der aktuellen Situation beteiligen wollen, aber aufgrund des persönlich vorhandenen Eigenkapitals sich selbst keine Immobilie kaufen können.

Viele Käufer schreckt bei Direktinvestments auch der Verwaltungsaufwand. Dieser entsteht automatisch, wenn Sie eine Immobilie nicht selber nutzen, sondern als Kapitalanlage erwerben. Sie müssen einen Mieter suchen, Nebenkostenabrechnungen anfertigen – das ist nicht unbedingt etwas für jedermann. Deswegen gibt es viele Anleger, die lieber in einen Fonds investieren, der ihnen den gesamten Verwaltungsaufwand abnimmt. Dazu kommt noch, dass durch die Strategien, die Fonds nutzen, die Renditen oft höher sind, als man sie durch den Erwerb einer eigenen Immobilie erzielen kann.

Diese Aufgabe obliegt dem Fondsmanagement, tatsächlich Mehrerträge zu erzielen. Zusätzlich kann eine gewisse Diversifikation gewährleistet werden, die ein einzelner Käufer so nicht realisieren kann, da er in der Regel nur eine Immobilie kauft. Ein Fonds diversifiziert hingegen in viele Immobilien und garantiert auf diese Weise eine Einnahmensicherheit.

Ich glaube, das sind die Gründe, die viele Leute dazu bewegen lieber in einen Fonds zu investieren, als sich selber eine Immobilie anzuschaffen. Das sind dieselben Gründe warum die Leute in Deka-Fonds bei der Sparkasse oder bei der Deutschen Bank DWS-Produkte kaufen. Man beteiligt sich mit kleinen Beträgen am Gesamtkuchen und braucht sich keine Gedanken darüber zu machen, wie man sich ein Tortenstück kaufen kann.

Scoredex: Sie legen seit Langem erfolgreich Genussrechte auf. Werden Sie auch in Zukunft an dieser Produktkategorie festhalten?

Lars Bergmann: Wir vertreiben seit zehn Jahren erfolgreich Genussrechte. Wir sehen daher keinen Grund, ein Produkt, das nachweislich über einen langen Zeitraum erfolgreich läuft, aufzugeben. Daher haben wir uns entschieden, eine dritte Tranche aufzulegen. Ganz nach dem Motto: „Never change a running system.“

Scoredex: Obwohl es in letzter Zeit viele Probleme mit Genussrechten gab, heißt das ja auch nicht, dass diese Finanzierungsform unbedingt schlecht sein muss.

Lars Bergmann: Genussrechte zählen zu den ältesten Finanzierungsformen der Welt. Das wissen viele Leute nicht. Genussrechte wurden in England erfunden, damit sich Privatpersonen an Firmen beteiligen können. Die Produktkategorie hat tatsächlich einige Schäden abbekommen – ich nenne an dieser Stelle mal das Stichwort „Prokon“.

Man muss aber auch klar sagen, dass es in der Immobilienbranche in den letzten Jahren diverse Pleiten gegeben hat. Und zwar unabhängig von der Finanzierungsform. Betroffen waren Genussrechte, KG-Beteiligungen, Anleihen und sogar Staatstitel. Deswegen bin ich auch davon überzeugt, dass man nicht eine bestimmte Produktkategorie verteufeln sollte.

Ich empfehle Anlegern sich mit dem Unternehmen und dessen Arbeitsweise zu beschäftigen und weniger damit, welcher Kategorie ein Produkt angehört. Ich persönlich halte Genussrechte für eine der transparentesten Anlageformen.

Über Lars Bergmann
Seit 2002 ist Lars Bergmann Vorstand der IMMOVATION AG. Er ist dort verantwortlich für die Bereiche Inneres, Konzeptionen & Strategien sowie Rechnungswesen & Finanzierungen.

Lars Bergmann studierte Rechtswissenschaft und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Marburg. Seine universitäre Ausbildung schloss er 1992 erfolgreich als Diplom-Kaufmann ab.

Doch bereits seit 1988 befasst sich Bergmann mit der Vermittlung von Immobilien und Kapitalanlagen in Immobilien. In diesen Geschäftsfeldern erwarb er sich durch sein umfangreiches Know-how allgemeine Anerkennung.

Seit 1991 ist Lars Bergmann mit seinem Unternehmensverbund Mitglied im Ring Deutscher Makler (RDM), dem heutigen Immobilienverband Deutschland (IVD). Darüber hinaus bekleidet Bergmann seit 2003 das Amt eines ehrenamtlichen Handelsrichters beim Landgericht Kassel.
Bergmann ist außerdem geschäftsführender Mitgesellschafter der Firma Adamietz & Bergmann Immobilien GbR in Kassel.

Foto: Immovation AG

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Fidentum GmbH – Lars Wüstemann: Wie funktioniert ein Pfandhaus

Wie ein Pfandhaus funktioniert, erklärt Lars Wüstemann, Geschäftsführer der Fidentum GmbH in Hamburg, im Gespräch mit Scoredex. Fidentum lässt Anleger über eine Fonds-Beteiligung an den Gewinnen des Pfandhauses Lombardium teilhaben. Wegen der hinterlegten Faustpfänder gilt dies als ein sicheres Investment.

Lars Wüstemann

Lars Wüstemann, Geschäftsführer der Fidentum GmbH

Das Pfandhaus Lombardium wendet sich vor allem an vermögende Leute, die kurzfristig Liquidität brauchen. Diese können zum Beispiel ihren Oldtimer als Faustpfand hinterlegen. Dadurch ist der Kredit eine sichere Sache – auch für die Investoren, die dem Pfandhaus über einen Fonds der Fidentum GmbH das nötige Bargeld bereitstellen. Scoredex sprach mit Geschäftsführer Lars Wüstemann.

Scoredex: Herr Wüstemann, was ist ein Pfandkredit?

Lars Wüstemann: Ein Pfandkredit ist ein festgelegter Kredit, der sich aus der Pfandleiher-Verordnung ergibt. So kann ein Unternehmen mit entsprechender Zulassung – wie beispielsweise Lombardium – für das Pfandgewerbe jemandem Geld gewähren gegen Faustpfand. Das heißt, jemand kommt mit seinem Wertgegenstand zu Lombardium, und Lombardium guckt sich das an, prüft die Echtheit, prüft, wie hoch der Wert ist, und lässt sich darüber ein Gutachten anfertigen.

Dann lässt man bei Lombardium noch einmal interne Kontrollen drüber laufen, um zu ermitteln, wie sich dieser Wertgegenstand bisher am Markt entwickelt hat. Daraus wird dann ein Angebot an den Pfandgeber beziehungsweise Kunden gemacht. Und dieser Kunde kann dann zum Beispiel in Höhe von 30 Prozent des ermittelten Wertes einen Pfandkredit nehmen.

Scoredex: Können Sie das anhand eines Beispiels verdeutlichen?

Lars Wüstemann: Ein klassisches Beispiel: Sie haben einen Oldtimer, der aktuell 150.000 Euro wert ist. Nachdem der interne Prüfungsprozess abgeschlossen ist, wird das Angebot über 50.000 Euro verbindlich. Sollten Sie zustimmen, wird das Fahrzeug als Faustpfand bei Lombardium eingelagert. Es befindet sich dann zwar noch im Eigentum des Einlieferers, aber nicht mehr in seinem Zugriff, weil es verwahrt wird. Und solange der Pfandkredit nicht wieder zurückbezahlt wird, wird dieses Fahrzeug nicht wieder herausgegeben. Darüber hinaus müssen natürlich noch Zinsen und Gebühren bezahlt werden.

Scoredex: Was passiert, wenn der Pfandkredit nicht fristgerecht getilgt wird?

Lars Wüstemann: Wenn nur Zinsen und Gebühren gezahlt werden, nicht aber der Kredit zurückgezahlt wird, dann wird das Auto versteigert. Es kann auch sein, dass die Zinsen und Gebühren nicht gezahlt werden, dann wird das Auto auch versteigert. Man könnte auch andere Wege finden, zum Beispiel im Rahmen eines freien Verkaufs, bei dem man das Auto inseriert.

Bei Kunstgegenständen kämen auch Auktionen wie bei Sotheby´s oder Christie´s in Frage, die nicht einer Zwangsversteigerung entsprechen, wie sie gesetzlich vorgeschrieben ist. Eine Verwertung wird also in Absprache mit dem Kunden getroffen. Und der Kunde ist natürlich daran interessiert, dass der Preis möglichst hoch ist. Warum? Weil er natürlich möchte, dass deutlich mehr erzielt wird, als das, was er schuldet. Alles darüber hinaus gehört ihm natürlich auch.

Scoredex: Worauf genau hat sich Lombardium spezialisiert?

Lars Wüstemann: Lombardium hat sich im Unterschied zu kleineren Pfandhäusern auf werthaltige Vermögensgegenstände spezialisiert. Kleinere Pfandhäuser handeln mit zum Beispiel Elektronikgeräten oder auch mal mit einer Uhr. Das durchschnittliche Pfand beträgt 300 Euro, während dieser Wert bei etwa bei 100.000 Euro liegt.

Lombardium wendet sich allerdings nicht an Personen, die einen Pfandkredit benötigen, um den täglichen Bedarf zu decken, sondern Lombardium wendet sich an Leute, die zwar im Moment liquiditätsarm, aber dennoch vermögend sind. Es gibt ja durchaus auch reiche Leute, die mal Liquiditätsengpässe haben. Und wenn ich Vermögen habe, möchte ich nicht immer gleich alles veräußern, zumal das auch einen gewissen Zeitraum in Anspruch nimmt, so einen Gegenstand zu veräußern. Und ich möchte natürlich so schnell wie möglich auf das Geld zugreifen.

Und mit dieser Klientel arbeitet Lombardium zusammen. So kommen die Kunden relativ schnell – manchmal schon innerhalb einer Woche – an ihr Geld. Und gleichzeitig bleibt der Gegenstand im Eigentum, solange man den Pfandkredit später bezahlt.

Scoredex: Wie können Anleger von Pfandkrediten profitieren?

Lars Wüstemann: Wir bieten dazu mit dem Lombard Classic ein einzigartiges Produkt an. Der Kunde erhält eine Gewinnbeteiligung von 7 Prozent und hat gleichzeitig eine kurze Laufzeit von drei Jahren und eine hohe Sachwertsicherung in Form von Faustpfändern bei Lombardium. Die 7-Prozent-Rendite wird dadurch gewährleistet, dass durch 1 Prozent Monatszins und 2 bis 2,5 Prozent Gebühr eine ganze Menge Ertrag generiert werden kann.

Durch die Faustpfänder hat die Treuhänderin die Sicherheit dafür, dass diese Darlehen auch zurückgeführt werden. Für alle Darlehen, die Lombardium zur Verfügung gestellt werden, gibt es eine zweckentsprechende Verwendung. Daraus ergibt sich, dass jeder Pfandkredit auch Forderungen – Pfandkredit, Zinsen und Gebühren – generiert. Diese Forderungen, die notfalls aus einer Versteigerung abgedeckt werden, lässt sich die Treuhänderin natürlich zur Sicherheit für die Beteiligungsgesellschaft und die Anleger abtreten.

Scoredex: In den letzten Jahren sind die Preise am Kunstmarkt regelrecht explodiert. Wie wirkt sich das auf Lombardium und Anleger des Lombard Classic aus?

Lars Wüstemann: Uns ist das im Endeffekt nur recht, wenn die Preise am Kunstmarkt steigen, denn wir haben davon am Ende nur Vorteile. Vor einigen Wochen ist beispielsweise ein Kunstgegenstand ins Pfand gekommen und eingewertet worden. Und dadurch, dass die Preise gestiegen sind, steigt natürlich auch die Sicherheit. Aber man wird bei Lombardium keine höheren Erträge erzielen, die über die Zinsen und Gebühren hinausgehen. Der Differenzbetrag geht ja an den Pfandgeber.

Dennoch darf man natürlich nicht annehmen, dass die Preise immer weiter steigen. Man muss beim Einwerten darauf achten, wie die Verläufe einzelner Pfandgegenstände sind und einen realistischen Blick für die Preisentwicklung haben. Eventuell muss man sich auch fragen, ob jede Preisentwicklung einfach mitgeht oder Abschläge macht. Da bedarf es schon etwas Fingerspitzengefühl. Aber generell finden wir das natürlich toll, dass der Kunstmarkt nicht in die andere Richtung geht.

Scoredex: Mit den Lombard-Fonds geht FIDENTUM nun bereits ins vierte Jahr. Wie ist die aktuelle Nachfrage und wie erklären Sie sich den Erfolg?

Lars Wüstemann: Wir legen mittlerweile sogar schon den fünften Fonds auf – Lombard, Lombard Plus, Lombard Classic 1, 2 und 3. Bald werden alle Fonds bis auf Lombard Classic 2 und 3 vollständig zurückbezahlt sein. Der Erfolg des Produktes ergibt sich aus den drei Kriterien kurze Laufzeit, gute Rendite und der dahinterstehende Sachwert.

Dazu ist das Geschäftsmodell von Lombardium sehr leicht zu verstehen. Es werden Gelder gegen einen werthaltigen Vermögensgegenstand vergeben. Das ist ein tolles Geschäftsmodell, bei man sehr gut verdienen kann, und das haben viele auch verstanden, weshalb diese Produkte so gut laufen.
Das einzige geringfügige Problem bei dem Geschäftskonzept ist, dass man diese Vermögensgegenstände nicht an jeder Straßenecke verwerten kann. Das heißt, sie brauchen immer einen Käufer, der in dem Moment auch den entsprechenden Preis bezahlen kann. Dann kann das Problem auftauchen, dass man nicht punktgenau Gelder verfügbar hat, wie man das im Allgemeinen aus dem Bankgeschäft kennt.

Da ist die große Abgrenzung: Lombardium macht kein Bankgeschäft. Lombardium macht ein dynamisches Geschäft, dass mit Kunst- und Vermögenswerten zu tun hat. Lombardium hat auch ein Portfolio mit vielen Faustpfändern. Aber diese Faustpfänder müssen auch wieder vom Markt aufgenommen werden. Solange wir keinen Käufermarkt haben, sodass einem die Sachen aus der Hand gerissen werden, solange können wir die Zahlungen auch schwerer tagaktuell einplanen.

Scoredex: Wie schafft man in Ihrem Geschäft den Spagat zwischen Transparenz und Diskretion?

Lars Wüstemann: Die Diskretion muss natürlich gewahrt werden. Bei Lombardium gibt es ja in dem Sinne keine Laufkundschaft. Deshalb gibt Lombardium auch keine Informationen bezüglich einzelner Kunstwerke oder Namen von Pfandeinlieferern heraus. Es werden nur bestimmte Kennzahlen bereitgestellt.

Lombardium hält sich auch aus Datenschutzgründen mit diesen Informationen etwas bedeckt, und das kann ich auch nachvollziehen. Natürlich stellt die Beteiligungsgesellschaft Jahresabschlüsse zur Verfügung und gibt Informationen zu Lombardium an die Anleger heraus. Wir haben auch gezielt die Kommunikation verstärkt. Wir werden auch demnächst Zahlen zum Lombardium präsentieren, allerdings nicht so, wie man sich das aus einem Wirtschaftsprüferbericht vorstellt.

Scoredex: Herr Wüstemann, vielen Dank für das Gespräch.


Zum Scoredex-Profil der Fidentum GmbH

Fidentum: Hohe Renditen mit Pfandkrediten

Co.net-Verbrauchergenossenschaft: 15 Jahre erfolgreicher Genossenschaftsbetrieb

Thomas Lindberg

Co.net-Chef Thomas Lindberg

Nächstes Jahr feiert die Co.net-Verbrauchergenossenschaft e.G. aus Drochtersen ihren 15ten Geburtstag. Seit der Gründung im Jahr 2001 konnte die Co.net Verbrauchergenossenschaft unter Leitung der Gründer Thomas Limberg, Dr. Jörg Wild, Gerhard Köhnhold und vier weiteren Gründungsmitgliedern ihren Mitgliedern durch Kooperationen mit renommierten Handelspartnern tausendfache Vorteile im Alltag bieten.

Neben diversen Einkaufs- und Rabattvorteilen investiert die Co.net-Verbrauchergenossenschaft die Genossenschaftsbeiträge laufend in lukraative Sachwerte, wodurch die Mitglieder von soliden, jährlichen Rückzahlungen profitieren können.

Alle Anteilseigner der Co.net-Verbrauchergenossenschaft erhalten beispielsweise eine gebührenfreie Master Card mit der sie beim Einkauf bei Kooperationspartnern der Co.net-Verbrauchergenossenschaft bis zu 30% Rabatt erhalten.

Des Weiteren können Co.net-Mitglieder auch Urlaub in Ferienimmobilien machen, die der Co.net-Verbrauchergenossenschaft und somit den Mitgliedern gehören. Selbstverständlich erhalten Co.net-Genossen spezielle Sonderkonditionen für ihren Traumurlaub, den sie auf http://conet-holiday.de/ buchen können.

Da sich die Co.net-Verbrauchergenossenschaft ausschließlich den Interessen ihrer Genossen verpflichtet fühlt, hat die Geschäftsführung ein Modell entworfen, dass maximale Sicherheit bietet. Hierzu schreibt das Unternehmen:

“Gemeinsam mit unserem Versicherungspartnern Euler Hermes Deutschland AG und Allianz AG ist ein umfassender Schutz gewährleistet. Darin ist neben der Kapitalversicherung auch eine spezielle Haftpflichtversicherung für unseren Vorstand und Aufsichtsrat enthalten. Durch die Kombination der Policen sind von Veruntreuung bis zur Fehlentscheidung der Vorstände und Aufsichtsräte auch weitere Sonderrisiken versichert, darunter zum Beispiel Vertragsstrafen, Reputationsschaden, Risiken wie Raub, Diebstahl, Fälschung, Hacking einschließlich Phishing, Pharming und Spyware, Fehlhandlungen aller Mitarbeiter inklusive Fremdpersonal, die für CO.NET tätig sind.”

Und auch von Scoredex hat sich die Co.net-Verbrauchergenossenschaft auf Herz und Nieren prüfen lassen. Geprüft wurden die Merkmale Risikoprävention, soziales Umfeld, Bonität Unternehmen, Georating, Medienresonanz, Branchenvergleich, finanzielle Situation des Unternehmens, Kontinuität, Referenzen und Ausbildung. Die Einzelauswertungen sowie Teil- und Gesamtratings für CO.NET können Sie unter folgendem Link einsehen:
Zur Bewertung der CO.NET Verbrauchergenossenschaft e.G.

Interessenten an der Co.net-Verbrauchergenossenschaft können sich hier unverbindlich informieren.