07 Apr. 2026

Ein heißes Gericht aus der Maschine, servierfertig in wenigen Minuten und mitten im Supermarkt zubereitet: Was noch vor kurzem nach Zukunftsmusik klang, wird bei REWE bereits praktisch erprobt. In ausgewählten Märkten kommt mit dem CA-1 von Circus SE ein autonomer Kochroboter zum Einsatz, der Speisen direkt vor Ort frisch zubereitet.

Der Versuch ist mehr als ein reiner Technologietest. Der Kochroboter bei REWE steht exemplarisch für eine Entwicklung, die den Lebensmitteleinzelhandel grundlegend verändern könnte. Denn der Supermarkt wird zunehmend mehr als nur ein Ort des Einkaufs. Er wird zum hybriden Food-Service-Standort – mit neuen Erlösmodellen, höherem Automatisierungsgrad und einer direkteren Antwort auf veränderte Kundenerwartungen.

Das Wichtigste in Kürze

Automatisierung mit strategischer Relevanz: Der CA-1 von Circus SE adressiert mehrere zentrale Herausforderungen des Handels zugleich – von Personalmangel über steigenden Kostendruck bis zur wachsenden Nachfrage nach frischer Convenience.

Pilot mit Signalwirkung: REWE testet nicht nur eine neue Maschine, sondern ein mögliches Zukunftsmodell für den Supermarkt als Food-Hub.

Positive erste Marktreaktionen: Die frühe Resonanz deutet darauf hin, dass Kundinnen und Kunden nicht nur neugierig sind, sondern das Angebot auch qualitativ annehmen.

Ein Pilotprojekt, das mehr ist als ein PR-Effekt

Seit Oktober 2025 läuft im REWE Center Düsseldorf-Heerdt ein Pilotprojekt, das weit über die Branche hinaus Aufmerksamkeit erzeugt. Dort kocht nach Unternehmensangaben erstmals ein vollautonomes System im laufenden Supermarktbetrieb. Der CA-1, kurz für „Circus Autonomy One“, arbeitet auf kompakter Fläche, bereitet Gerichte direkt im Markt zu und macht den Kochprozess für die Kundschaft sichtbar.

Gerade diese Sichtbarkeit ist Teil des Konzepts. Der Roboter arbeitet nicht im Hintergrund, sondern sichtbar im Verkaufsraum. Entscheidend ist jedoch nicht allein der Neuheitseffekt. Dauerhaft relevant wird das System erst dann, wenn die Speisen auch geschmacklich und qualitativ überzeugen. Nach den bisherigen Rückmeldungen aus dem Markt scheint genau das der Fall zu sein. Damit wird das System zugleich Produktionslösung, Frequenztreiber und Markeninszenierung.

Für REWE ist das strategisch bedeutsam. Denn mit dem Kochroboter bei REWE verschiebt sich die Rolle des Marktes: weg vom reinen Verkaufsort für Zutaten, hin zu einem Standort, an dem ein Teil der Wertschöpfung direkt vor Ort stattfindet.

Warum der Handel gerade jetzt auf Food-Tech setzt

Dass ein autonomer Kochroboter im Supermarkt genau jetzt auf Interesse stößt, ist kein Zufall. Der Lebensmitteleinzelhandel steht seit Jahren unter wachsendem Druck – personell, operativ und wirtschaftlich.

Ein wesentlicher Treiber dieser neuen Entwicklung ist der Personalmangel. Insbesondere dort, wo Märkte gastronomienahe Angebote wie heiße Theken, Bistroflächen oder Frischeküchen betreiben wollen, fehlt es häufig an qualifizierten Mitarbeitenden. Personalintensive Konzepte geraten damit zunehmend an ihre Grenzen.

Hinzu kommt der Margendruck. Frisch zubereitete Speisen und Ready-to-eat-Angebote gelten im Handel grundsätzlich als margenstärker als klassische Handelsware. Gleichzeitig sind sie im konventionellen Betrieb teuer, komplex und organisatorisch aufwendig. Personalplanung, Ausfallrisiken, Hygienevorgaben und schwankende Qualität erschweren die Skalierung.

Der dritte Faktor ist die steigende Nachfrage nach Convenience. Viele Verbraucher wünschen sich schnelle Mahlzeiten für den Alltag, möchten dabei aber nicht auf Frische, Qualität und ein zeitgemäßes Angebot verzichten. Genau an dieser Schnittstelle setzt der CA-1 von Circus SE an: als System für automatisiert zubereitete, frisch wahrgenommene Speisen direkt im Markt.

Was der CA-1 von Circus SE technisch leisten soll

Der CA-1 von Circus SE verbindet Robotik, Sensorik, Software und künstliche Intelligenz in einem integrierten System. Technologische Grundlage ist laut Anbieter eine Form von Embodied AI – also künstliche Intelligenz, die nicht nur analysiert, sondern physisch mit ihrer Umgebung interagiert und konkrete Prozesse steuert.

Im Betrieb übernimmt der Roboter zentrale Schritte der Essenszubereitung: Lagerung, Dosierung, Garprozess und Ausgabe. Nach den vorliegenden Angaben kann das System aus 36 gekühlten Grundzutaten mehr als 2.000 Rezeptvarianten generieren. Ein Gericht soll innerhalb von drei bis sieben Minuten fertig sein, der mögliche Durchsatz liegt bei 50 bis 100 Portionen pro Stunde.

Gesteuert wird der Prozess über CircusOS, das laufend Parameter wie Temperatur, Füllstände, Prozessabweichungen und Wartungsbedarf überwacht. Hinzu kommen digitale Bestellprozesse, integrierte Kontrollmechanismen und hygienische Selbstüberwachung.

Der Anspruch ist klar: Nach Unternehmensangaben zielt das System auf gleichbleibende Qualität, hohe Prozesssicherheit und geringeren Personalaufwand.

Der Business Case: hohe Investition, klare Logik

Ein Kochroboter bei REWE ist zunächst mit erheblichen Kosten verbunden. Der CA-1 liegt in der Anschaffung bei rund 250.000 Euro, dazu kommen Lizenzkosten für die Software sowie laufende Wartungsaufwendungen. Für viele Händler ist das eine relevante Einstiegshürde.

Interessant wird das Modell über die Gegenrechnung. Eine klassische Frischeküche im Markt erfordert Personal, Schichtplanung, Urlaubsvertretungen, Schulungen, Hygieneprozesse und laufende Qualitätskontrolle. Der CA-1 reduziert diesen Aufwand erheblich. Laut den vorliegenden Angaben beschränkt sich der tägliche menschliche Eingriff im Betrieb auf rund eine Stunde für Befüllung und Basisreinigung.

Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, was das System kostet, sondern wie sich seine Kostenstruktur von der einer konventionellen Küche unterscheidet. Genau hier liegt der wirtschaftlich interessante Punkt. Laut Brancheneinschätzungen könnte ein Break-even – je nach Verkaufspreis und Nachfrage – bereits ab etwa 80 verkauften Portionen pro Tag erreichbar sein.

Ob dieses Niveau im Alltag dauerhaft tragfähig ist, hängt naturgemäß vom jeweiligen Standort ab. Kundenfrequenz, Wiederkaufsraten und die langfristige Akzeptanz entscheiden darüber, ob aus dem Pilot ein belastbares Geschäftsmodell wird.

Wie Kundinnen und Kunden auf den Kochroboter reagieren

Die ersten Rückmeldungen aus dem Pilotmarkt in Düsseldorf-Heerdt zeigen, dass der Kochroboter bei REWE nicht nur Aufmerksamkeit erzeugt, sondern auch zusätzliche Frequenz in den Markt bringen kann. Besucher kommen gezielt, um das neue System zu sehen, auszuprobieren und die Qualität der Speisen selbst zu testen.

Genau darin liegt der entscheidende Punkt: Dauerhaft relevant wird das System nur dann, wenn die Speisen tatsächlich überzeugen. Nach den vorliegenden Rückmeldungen aus dem Markt fällt das Feedback der Kundschaft bislang überwiegend positiv aus.

Geschmack und Qualität der Speisen werden dabei häufig ausdrücklich hervorgehoben. Die anfängliche Skepsis gegenüber „Essen aus der Maschine“ scheint bei vielen Testern schnell in Neugier und Zustimmung überzugehen.

Das aktuelle Angebot ist bewusst alltagsnah angelegt. Dazu gehören unter anderem Penne Arrabbiata mit Hähnchen für 6,99 Euro, eine Gemüsevariante für 5,49 Euro, Thai Curry für 6,99 Euro, Kürbissuppe für 3,49 Euro sowie Porridge mit Beeren für 3,49 Euro. Preislich positioniert sich das Angebot damit zwischen klassischem To-go-Segment und frisch zubereitetem Mittagessen.

Zwischen Innovationsversprechen und Realitätstest

So vielversprechend die ersten Eindrücke auch sind: Der eigentliche Maßstab liegt nicht in der Aufmerksamkeit der Startphase, sondern in der Frage, ob aus Neugier ein stabiles Alltagsverhalten wird.

Gerade bei Lebensmitteln ist Vertrauen ein zentraler Erfolgsfaktor. Automatisierte Systeme werden von Teilen der Kundschaft noch immer eher mit Standardisierung als mit Frische verbunden. Der CA-1 versucht dieses Problem gezielt zu adressieren – mit transparenter Zubereitung, sichtbarem Prozess und einer bewusst offenen Präsentation.

Zugleich bleiben regulatorische und operative Fragen relevant. KI-gestützte Systeme im öffentlichen Raum müssen transparent, nachvollziehbar und datenschutzkonform betrieben werden. Für Anbieter wie Circus SE wird deshalb nicht allein die technische Leistungsfähigkeit entscheidend sein, sondern auch die Fähigkeit, regulatorische Anforderungen und operative Stabilität im großflächigen Einsatz zuverlässig zu erfüllen.

Der größere Trend: vom Supermarkt zum Food-Hub

Der Pilot bei REWE ist auch deshalb so interessant, weil er einen größeren Wandel im Handel sichtbar macht. Supermärkte entwickeln sich seit Jahren weiter: vom klassischen Verkaufsraum hin zu multifunktionalen Standorten, an denen Einkauf, Gastronomie, Sofortverzehr und digitale Services stärker miteinander verschmelzen.

Food-Tech im Supermarkt könnte diese Entwicklung erheblich beschleunigen. Systeme wie der CA-1 schaffen die Möglichkeit, frisch zubereitete Speisen direkt im Markt anzubieten, ohne eine vollwertige Küche in klassischer Form betreiben zu müssen. Daraus entsteht ein Modell, in dem der Handel zusätzliche Teile der Wertschöpfung in den eigenen Betrieb integriert.

Besonders relevant wird das, wenn Zutaten perspektivisch direkt aus dem eigenen Sortiment in die automatisierte Zubereitung einfließen. Dann verkauft der Markt nicht nur Produkte, sondern übernimmt auch einen Teil der Verarbeitung und Veredelung selbst. Genau darin liegt die strategische Bedeutung des CA-1 von Circus SE weit über den Einzelpilot hinaus.

Fazit: Der Kochroboter bei REWE ist ein Test mit strategischer Tiefe

Der Kochroboter bei REWE ist kein bloßes Technik-Gimmick. Mit dem CA-1 von Circus SE testet der Handel ein Modell, das mehrere strukturelle Herausforderungen zugleich adressiert: Personalmangel, Kostendruck und die steigende Erwartung an frische, schnell verfügbare Mahlzeiten.

Ob sich daraus ein skalierbares Konzept für den breiteren Markt entwickelt, entscheidet sich nicht an der Faszination für Robotik, sondern an harten Kriterien: Wirtschaftlichkeit, Kundenakzeptanz und operative Verlässlichkeit. Gerade deshalb ist der Pilot so relevant. Er zeigt, ob automatisierte Essenszubereitung im Supermarkt ein vorübergehender Innovationseffekt bleibt – oder zum Baustein des Handels von morgen wird.

Quellenverzeichnis

Häufig gestellte Fragen zum Kochroboter bei REWE

Warum testet REWE einen Kochroboter?

REWE reagiert damit auf Personalmangel, steigende Betriebskosten und die wachsende Nachfrage nach frischer Convenience.

Was kostet der CA-1?

Die Anschaffung liegt bei rund 250.000 Euro. Hinzu kommen Lizenz- und Wartungskosten.

Wann rechnet sich ein Kochroboter im Supermarkt?

Je nach Standort und Nachfrage kann der Break-even laut Brancheneinschätzungen ab etwa 80 verkauften Portionen pro Tag erreichbar sein.

Welche Gerichte bietet der Kochroboter an?

Zum Angebot gehören unter anderem Penne Arrabbiata, Thai Curry, Kürbissuppe und Porridge.

Wie reagieren Kunden auf den REWE Kochroboter?

Die ersten Rückmeldungen fallen positiv aus. Besonders hervorgehoben werden Neugier, wahrgenommene Frische und ein überzeugender Geschmack.

Wie funktioniert der CA-1 von Circus SE?

Der CA-1 kombiniert Robotik, künstliche Intelligenz, Sensorik und Software, um Zutaten zu dosieren, Speisen zu garen und Gerichte automatisiert auszugeben.