Der Solarspezialist hep global meldet für 2025 eine deutliche Ergebniswende. Gleichzeitig wird ein erst 2025 gestarteter ELTIF bereits wieder liquidiert, bei Nachrangdarlehen bestehen offene Rückzahlungsfragen und eine Unternehmensanleihe wurde verlängert.
Das wirkt widersprüchlich. Der SCOREDEX Faktencheck zeigt deshalb, was tatsächlich belegt ist, welche Aussagen einer Einordnung bedürfen und welche Fragen derzeit offenbleiben.
„Bei Kapitalanlagen entscheidet nicht eine einzelne Kennzahl über Vertrauen. Entscheidend ist, ob Renditeversprechen, Liquidität, Kapitaldienst und tatsächliche Geschäftsentwicklung langfristig zusammenpassen.“
SCOREDEX Research
Die wichtigsten Fakten zu hep solar
- ELTIF befindet sich in Liquidation
- Fondsvolumen zuletzt rund 0,6 Mio. Euro
- Nachrangrückzahlungen teilweise weiter offen
- Green Bond bis 2027 verlängert
- hep global 2025 wieder profitabel
- Bilanzielle Eigenkapitallücke bleibt bestehen

Was ist bei hep solar passiert?
hep ist seit vielen Jahren in der Entwicklung und Finanzierung von Solarprojekten aktiv. Das Geschäftsmodell verbindet Projektentwicklung, Dienstleistungen und Kapitalanlageprodukte rund um Photovoltaikprojekte. Gerade diese Verbindung macht eine differenzierte Betrachtung notwendig. Denn die operative Entwicklung des Konzerns und die Situation einzelner Finanzierungsprodukte sind nicht dasselbe.
Für 2025 weist hep global einen Konzernumsatz von 45,8 Millionen Euro aus. Das EBIT verbesserte sich von minus 4,8 Millionen Euro auf plus 10,8 Millionen Euro. Das Konzernergebnis stieg von minus 9,1 Millionen Euro auf plus 2,9 Millionen Euro. Auch der operative Cashflow verbesserte sich deutlich auf 8,1 Millionen Euro. Diese Ergebniswende ist ein wichtiger positiver Befund.
Sie beseitigt allerdings nicht automatisch die Fragen, die sich aus einzelnen Kapitalanlageprodukten und der Finanzierungsstruktur ergeben.
hep solar Invest ELTIF wird liquidiert
Der hep solar Invest ELTIF wurde am 18. August 2025 aufgelegt. Er sollte Anlegern Investitionen in Photovoltaikanlagen und Energiespeicher in Europa, Japan, Kanada und den USA ermöglichen. Die Produktunterlagen nannten eine Renditeerwartung von 5 bis 6 Prozent jährlich. Die Mindesthaltedauer betrug 24 Monate, die Kündigungsfrist zwölf Monate.
Nur rund ein Jahr nach Auflage befindet sich der Fonds jedoch bereits in Liquidation. Nach den zuletzt veröffentlichten Angaben belief sich das Gesamtvermögen des ELTIF zum 21. August 2026 auf lediglich rund 0,6 Millionen Euro. Damit stellt sich zunächst eine einfache Frage:
Ist der hep solar Invest ELTIF gescheitert?
Gemessen am ursprünglich angestrebten Fondsvolumen und an der geplanten Skalierung: ja.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Anleger einen entsprechenden Kapitalverlust erleiden. Die Liquidation eines Fonds und ein Verlust des investierten Kapitals sind zwei unterschiedliche Sachverhalte. Nach der veröffentlichten Stellungnahme von hep wurde entschieden, den ELTIF geordnet aufzulösen, weil das für eine wirtschaftliche Skalierung erforderliche Volumen innerhalb des vorgesehenen Zeitraums nicht realistisch erreichbar erschien. Bereits eingegangene Zeichnungen sollen über die depotführenden Stellen zurückgeführt werden.
Entscheidend wird deshalb sein, welchen Betrag Anleger tatsächlich zurückerhalten und wie Kosten beziehungsweise gegebenenfalls gezahlte Ausgabeaufschläge behandelt werden. Diese abschließende Abrechnung ist nach den von SCOREDEX ausgewerteten öffentlich verfügbaren Informationen derzeit noch nicht vollständig dokumentiert.
Auffällige Renditeszenarien beim hep ELTIF
Interessant ist auch die Entwicklung der Renditekommunikation. Während die hep-Produktbroschüre eine Renditeerwartung von 5 bis 6 Prozent pro Jahr nannte, enthielten frühere regulatorische Performance-Szenarien wesentlich höhere Werte. Spätere Basisinformationsblätter reduzierten diese Modellwerte erheblich. Das ist zunächst kein Beweis für eine fehlerhafte Anlageprognose. Performance-Szenarien in PRIIPs-Basisinformationsblättern basieren auf regulatorisch vorgegebenen Berechnungsmethoden und stellen ausdrücklich keine Renditegarantie dar.
Dennoch sind erhebliche Abweichungen zwischen Marketingkommunikation und regulatorischen Szenariorechnungen aus Transparenzsicht relevant. Besonders erklärungsbedürftig erscheint eine weitere Auffälligkeit: In einer Fassung des Basisinformationsblattes vom Februar 2026 finden sich innerhalb desselben Dokuments unterschiedliche Renditeannahmen für die empfohlene Haltedauer. Aus Sicht von SCOREDEX wäre hier eine möglichst eindeutige Erläuterung gegenüber Anlegern sinnvoll.
hep Opportunity 1: Rückzahlungen verzögern sich
Ein zweiter Komplex betrifft Nachrangdarlehen der hep opportunity 1 GmbH.
Nach öffentlich verfügbaren Produktinformationen handelte es sich um vergleichsweise kurzlaufende Finanzierungen. Im April 2025 wurde im Zusammenhang mit dem Verkauf eines US-Solarportfolios kommuniziert, dass daraus zufließende Mittel unter anderem zur vollständigen Rückzahlung von rund 10 Millionen Euro Nachrangdarlehenverwendet werden sollten.
Die Rückzahlung sollte demnach innerhalb der folgenden Wochen erfolgen. Nach den aktuell verfügbaren Informationen erfolgte die vollständige Rückführung jedoch nicht innerhalb dieses Zeitraums. Damit besteht eine erhebliche Abweichung zwischen der damals kommunizierten Erwartung und der tatsächlichen zeitlichen Entwicklung.
Auch hep Opportunity 2 betroffen
Auch bei der hep opportunity 2 GmbH wurden nach öffentlich zugänglichen Berichten fällige beziehungsweise zur Rückzahlung anstehende Nachrangdarlehen thematisiert. hep verweist in diesem Zusammenhang auf die sogenannte vorinsolvenzliche Durchsetzungssperre der Nachrangvereinbarungen. Genau hier ist eine juristische Differenzierung notwendig.
Was bedeutet eine vorinsolvenzliche Durchsetzungssperre?
Ein qualifiziertes Nachrangdarlehen unterscheidet sich erheblich von einem klassischen Bankdarlehen.
Eine entsprechend ausgestaltete Nachrangvereinbarung kann dazu führen, dass ein grundsätzlich bestehender Zahlungsanspruch zeitweise nicht erfüllt werden darf, wenn durch die Zahlung ein vertraglich definierter Insolvenzgrund entstehen oder vertieft werden würde. Auch die BaFin weist grundsätzlich auf die besonderen wirtschaftlichen Risiken von Nachrangdarlehen hin.
Daraus folgt:
Eine nicht erfolgte Rückzahlung eines Nachrangdarlehens bedeutet nicht automatisch, dass eine Vertragsverletzung oder Zahlungsunfähigkeit vorliegt. Ob die Voraussetzungen einer Durchsetzungssperre tatsächlich erfüllt sind, hängt insbesondere vom konkreten Vertrag und der wirtschaftlichen Situation der jeweiligen Darlehensnehmerin ab. Diese Frage kann SCOREDEX anhand öffentlich verfügbarer Informationen nicht abschließend beurteilen. Aus Transparenzsicht bleibt dennoch relevant, dass Anleger teilweise wesentlich länger auf die Rückführung ihres Kapitals warten als ursprünglich erwartet.
Der Green Bond wurde ebenfalls verlängert
Hinzu kommt der Green Bond 2021/2026 der hep global GmbH mit einem Volumen von 25 Millionen Euro.
Die ursprüngliche Laufzeit endete im Mai 2026. Die Anleihegläubiger beschlossen am 5. Mai 2026 mit einer Zustimmung von 99,92 Prozent eine Verlängerung der Laufzeit um 18 Monate bis zum 18. November 2027. Die Präsenz lag bei 43,96 Prozent.
Sollte die Anleihe nicht innerhalb von sechs Monaten nach der ursprünglich vorgesehenen Fälligkeit vollständig zurückgezahlt werden, erhöht sich die Verzinsung nach den geänderten Bedingungen von 6,5 auf 8 Prozent.Wichtig ist auch hier die korrekte Einordnung:
Ist die Verlängerung des Green Bonds ein Zahlungsausfall?
Nein.
Die Anleihebedingungen wurden mit der erforderlichen Mehrheit der Gläubiger wirksam geändert. Von einem klassischen Zahlungsausfall aufgrund der ursprünglich vorgesehenen Fälligkeit zu sprechen, wäre deshalb nicht sachgerecht. Gleichzeitig dokumentiert die Laufzeitverlängerung, dass die ursprünglich vorgesehene Rückzahlung beziehungsweise Refinanzierung nicht unverändert umgesetzt wurde. Für die Bewertung der Finanzierungsstruktur ist das relevant.
Konzernabschluss 2025: hep global schafft Ergebniswende
Der vielleicht wichtigste Gegenpunkt zu den kritischen Entwicklungen findet sich im Konzernabschluss 2025.
hep global hat die operative Entwicklung deutlich verbessert.
|
Kennzahl |
2024 |
2025 |
| Umsatz |
43,5 Mio. € |
45,8 Mio. € |
| EBIT |
-4,8 Mio. € |
+10,8 Mio. € |
| Konzernergebnis |
-9,1 Mio. € |
+2,9 Mio. € |
| Operativer Cashflow |
-24,8 Mio. € |
+8,1 Mio. € |
Das ist eine substanzielle Verbesserung.
Der Konzernabschluss wurde zudem geprüft. Nach den veröffentlichten Informationen führte die Abschlussprüfung zu keinen Einwendungen gegen die Ordnungsmäßigkeit von Konzernabschluss und Konzernlagebericht.
Das muss bei einer sachgerechten Bewertung ausdrücklich berücksichtigt werden.
Trotzdem bleibt die Eigenkapitalsituation auffällig
Trotz des positiven Konzernergebnisses weist die Bilanz weiterhin einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag aus. Dieser erhöhte sich nach den ausgewerteten Abschlussdaten von rund 7,3 Millionen Euro auf rund 8,4 Millionen Euro. Hier ist die Terminologie besonders wichtig.
Ist hep global deshalb insolvenzrechtlich überschuldet?
Das lässt sich daraus nicht ableiten.
Ein „nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“ ist zunächst eine handelsrechtliche Bilanzposition. Eine insolvenzrechtliche Überschuldung richtet sich dagegen nach den Voraussetzungen des § 19 Insolvenzordnung und berücksichtigt unter anderem die Fortführungsprognose. Aus dem bilanziellen Fehlbetrag allein darf deshalb weder eine Insolvenz noch eine insolvenzrechtliche Überschuldung behauptet werden. Für eine Risikoanalyse bleibt die Kennzahl dennoch relevant, weil ein negativer Eigenkapitalstatus den bilanziellen Risikopuffer eines Unternehmens reduziert.
Woher stammen die Umsätze?
Ein weiterer interessanter Punkt findet sich in der Struktur der Umsatzerlöse.
Von insgesamt 45,8 Millionen Euro Konzernumsatz entfielen rund 41,9 Millionen Euro auf Projektentwicklungsleistungen. hep bestätigt selbst die starke Bedeutung dieses Bereichs. Ein erheblicher Teil dieser Leistungen steht nach den Angaben im Konzernabschluss im Zusammenhang mit Fonds, deren Tochtergesellschaften beziehungsweise anderen nahestehenden Unternehmen. Das ist nicht automatisch problematisch.
Gerade bei vertikal strukturierten Projektentwicklern können solche Geschäftsbeziehungen Teil des Geschäftsmodells sein. Für eine externe Unternehmensanalyse stellt sich allerdings die Frage, wie stark die wirtschaftliche Entwicklung von Transaktionen innerhalb dieses erweiterten Unternehmens- und Fondsnetzwerks abhängig ist. Eine Aussage darüber, ob sämtliche Konditionen einem Drittvergleich entsprechen, wäre ohne Einsicht in die zugrunde liegenden Verträge nicht seriös möglich.
Forderungswertberichtigung von rund 3,9 Millionen Euro
Der Konzernabschluss enthält zudem eine Wertberichtigung auf eine Forderung von rund 3,9 Millionen Euro. Nach Unternehmensangaben steht diese im Zusammenhang mit US-Projektverkäufen. Auch daraus lässt sich isoliert kein grundsätzliches Problem des Forderungsbestandes ableiten. Bei einer Risikoanalyse ist eine Wertberichtigung dieser Größenordnung jedoch relevant, insbesondere wenn gleichzeitig hohe Forderungs- und Projektpositionen in der Bilanz bestehen.
Prognose 2026 deutlich reduziert
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Unternehmensplanung. Anfang 2026 kommunizierte hep global für das Geschäftsjahr 2026 noch einen erwarteten Konzernumsatz von rund 90 Millionen Euro und ein EBIT von 25 bis 30 Millionen Euro. Mit Veröffentlichung des testierten Konzernabschlusses wurde die Prognose deutlich angepasst.
Aktuell erwartet das Unternehmen für 2026 nur noch:
45 bis 55 Millionen Euro Umsatz
und
0 bis 10 Millionen Euro EBIT.
hep begründet die Veränderung insbesondere mit der geänderten Strategie für das US-Geschäft und der dortigen Finanzierungsstruktur. Prognoseänderungen sind im Projektgeschäft grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Die Größenordnung dieser Anpassung ist jedoch erheblich und sollte bei der Bewertung früherer Unternehmensprognosen berücksichtigt werden.
Was spricht derzeit für hep?
Eine ausgewogene Analyse darf die positiven Entwicklungen nicht ausblenden. hep global hat 2025 eine deutliche operative Ergebniswende erreicht. Das EBIT und der operative Cashflow sind positiv, der Konzernabschluss wurde testiert und die Projektentwicklung erzielte erheblich höhere Umsätze. Hinzu kommt die 2026 vereinbarte strategische Finanzierungspartnerschaft für das US-Geschäft. Auch beim Green Bond haben die Gläubiger einer Neuordnung mit sehr großer Mehrheit zugestimmt. Das Unternehmen verfügt damit weiterhin über operative Geschäftstätigkeit, internationale Projektentwicklung und Zugang zu externen Finanzierungspartnern.
Was belastet das Vertrauen?
Problematisch ist weniger ein einzelnes Ereignis als deren zeitliche Häufung. Der ELTIF wurde erst im August 2025 aufgelegt und befindet sich rund ein Jahr später bei einem Fondsvolumen von lediglich etwa 0,6 Millionen Euro bereits in Liquidation. Bei Nachrangdarlehen haben sich Rückzahlungserwartungen erheblich verschoben. Der Green Bond benötigte eine Laufzeitverlängerung. Der bilanzielle Eigenkapitalfehlbetrag besteht trotz der Ergebnisverbesserung fort.
Und die erst Anfang 2026 kommunizierte Prognose für das laufende Geschäftsjahr wurde innerhalb weniger Monate erheblich reduziert. Keiner dieser Punkte beweist für sich genommen ein rechtswidriges Verhalten oder eine existenzielle Krise.
In ihrer Gesamtheit erhöhen sie jedoch die Anforderungen an Transparenz, Prognosequalität und Kapitaldienstfähigkeit erheblich.
SCOREDEX Faktencheck
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Aussage |
Ergebnis |
| hep ELTIF wird liquidiert | Bestätigt |
| ELTIF-Volumen rund 0,6 Mio. € | Bestätigt |
| Anleger erleiden Totalverlust | Nicht belegt |
| Nachrangrückzahlungen verzögert | Bestätigt |
| hep ist deshalb zahlungsunfähig | Nicht belegt |
| Green Bond wurde verlängert | Bestätigt |
| Verlängerung ist Zahlungsausfall | So nicht zutreffend |
| hep erzielte 2025 Gewinn | Bestätigt |
| Bilanzielle Eigenkapitallücke besteht | Bestätigt |
| hep ist deshalb insolvenzrechtlich überschuldet | Nicht ableitbar |
| Prognose 2026 deutlich reduziert | Bestätigt |
SCOREDEX Einordnung: Das entscheidende Thema heißt Vertrauen
Die Recherche ergibt kein Schwarz-Weiß-Bild. Wer ausschließlich auf die operativen Zahlen 2025 schaut, sieht einen deutlichen Turnaround: positives EBIT, positives Konzernergebnis und positiver operativer Cashflow. Wer ausschließlich auf ELTIF, Nachrangdarlehen und Anleihe blickt, erhält dagegen ein wesentlich angespannteres Bild.
Beides gehört zusammen.
Die zentrale Herausforderung für hep liegt deshalb aus Sicht von SCOREDEX derzeit weniger darin, weitere Wachstumsprognosen zu veröffentlichen. Entscheidend wird sein, ob angekündigte finanzielle Entwicklungen tatsächlich realisiert werden.
Vier Punkte dürften dabei besonders relevant sein:
Werden die ausstehenden Nachrangdarlehen zurückgeführt?
Welchen Betrag erhalten Anleger aus der ELTIF-Liquidation tatsächlich zurück?
Kann hep den positiven operativen Cashflow verstetigen?
Wie entwickelt sich der Green Bond bis zur neuen Endfälligkeit 2027?
Werden diese Punkte nachvollziehbar gelöst, kann sich auch die Vertrauenslage deutlich verbessern. Bleiben Rückzahlungen und Refinanzierungen dagegen länger offen oder müssen Prognosen erneut wesentlich angepasst werden, dürfte die Finanzierung neuer Projekte und Anlageprodukte schwieriger werden.
Nach den von SCOREDEX ausgewerteten öffentlich verfügbaren Informationen gibt es keine Grundlage für die Behauptung, hep global sei insolvent. Ein negativer bilanzieller Eigenkapitalstatus allein bedeutet keine insolvenzrechtliche Überschuldung.
Nach den veröffentlichten Informationen wurde das für eine wirtschaftliche Skalierung angestrebte Fondsvolumen nicht erreicht. Das Fondsvermögen lag zuletzt bei rund 0,6 Millionen Euro.
Eine abschließende öffentlich dokumentierte Abrechnung liegt SCOREDEX derzeit nicht vor. Deshalb sollte weder eine vollständige Rückzahlung noch ein Verlust vorweggenommen werden.
Bei Nachrangdarlehen haben sich ursprünglich erwartete beziehungsweise kommunizierte Rückzahlungszeitpunkte erheblich verschoben. Aufgrund der vereinbarten Nachrangregelungen berufen sich die betreffenden Gesellschaften auf eine vorinsolvenzliche Durchsetzungssperre. Ob deren Voraussetzungen im konkreten Fall tatsächlich erfüllt sind, kann anhand öffentlich verfügbarer Informationen nicht abschließend beurteilt werden.
Auch bei der hep opportunity 2 GmbH wurden nach öffentlich zugänglichen Berichten Rückzahlungen von Nachrangdarlehen nicht zu den ursprünglich erwarteten Zeitpunkten vorgenommen. Wie bei Opportunity 1 ist dabei zu berücksichtigen, dass Nachrangdarlehen besonderen vertraglichen Bedingungen unterliegen können. Eine ausbleibende Zahlung darf deshalb nicht automatisch mit Zahlungsunfähigkeit oder einer Vertragsverletzung gleichgesetzt werden. Für Anleger bleibt entscheidend, wann und in welchem Umfang die ausstehenden Beträge tatsächlich zurückgeführt werden.
Nein. Die ursprünglich im Mai 2026 endende Laufzeit des Green Bonds wurde durch Beschluss der Anleihegläubiger um 18 Monate bis zum 18. November 2027 verlängert. Die erforderliche Mehrheit wurde erreicht. Damit handelt es sich nicht um einen klassischen Zahlungsausfall aufgrund der ursprünglich vorgesehenen Fälligkeit. Die Verlängerung zeigt allerdings, dass die ursprünglich vorgesehene Rückzahlung beziehungsweise Refinanzierung neu geordnet werden musste.
Der Konzernabschluss 2025 zeigt zwei unterschiedliche Entwicklungen. Operativ verbesserte sich hep global deutlich. Der Konzernumsatz erreichte 45,8 Millionen Euro, das EBIT 10,8 Millionen Euro und das Konzernergebnis 2,9 Millionen Euro. Auch der operative Cashflow war mit 8,1 Millionen Euro positiv. Gleichzeitig besteht weiterhin ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von rund 8,4 Millionen Euro. Diese Bilanzposition ist für die Beurteilung der finanziellen Stabilität relevant, darf jedoch nicht mit einer insolvenzrechtlichen Überschuldung gleichgesetzt werden.
hep global hatte Anfang 2026 zunächst einen Konzernumsatz von rund 90 Millionen Euro und ein EBIT zwischen 25 und 30 Millionen Euro prognostiziert. Später wurde die Erwartung auf 45 bis 55 Millionen Euro Umsatz und ein EBIT zwischen null und zehn Millionen Euro reduziert. Das Unternehmen begründet die Anpassung insbesondere mit Veränderungen der Strategie und Finanzierung des US-Geschäfts. Die Größenordnung der Prognoseänderung ist für die Beurteilung der Planungssicherheit relevant.
Eine solche Aussage lässt sich nicht als objektive Tatsache feststellen. Vertrauen ist keine bilanzierbare Kennzahl und hängt von der individuellen Bewertung durch Anleger, Vertriebspartner und Kapitalgeber ab. Feststellbar ist jedoch eine ungewöhnliche Häufung von Entwicklungen, die für die Vertrauensbewertung relevant sind: die Liquidation des ELTIF nach rund einem Jahr, verzögerte Rückzahlungen bei Nachrangdarlehen, die Verlängerung des Green Bonds, der fortbestehende bilanzielle Eigenkapitalfehlbetrag und die deutliche Reduzierung der Prognose für 2026. Dem stehen die operative Ergebniswende 2025, ein positiver operativer Cashflow, ein testierter Konzernabschluss und neue Finanzierungspartnerschaften gegenüber.
Aus Sicht von SCOREDEX wird deshalb weniger die Kommunikation neuer Erwartungen als deren tatsächliche Erfüllung darüber entscheiden, wie sich das Vertrauen in hep entwickelt.
SCOREDEX Fazit
Der Faktencheck zeigt ein Unternehmen mit zwei sehr unterschiedlichen Seiten.
Operativ hat hep global 2025 einen deutlichen Turnaround erreicht. Umsatz, EBIT, Konzernergebnis und operativer Cashflow haben sich verbessert. Der Konzernabschluss wurde geprüft und nach den veröffentlichten Informationen ohne Einwendungen gegen seine Ordnungsmäßigkeit testiert.
Gleichzeitig bestehen mehrere Kapitalmarkt- und Finanzierungsthemen, die nicht ignoriert werden sollten. Der hep solar Invest ELTIF wird nach einem sehr geringen Platzierungsvolumen liquidiert. Rückzahlungen aus Nachrangdarlehen haben sich erheblich verzögert. Der Green Bond wurde verlängert. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag besteht fort. Hinzu kommt eine erhebliche Reduzierung der erst Anfang 2026 veröffentlichten Prognose.
Keine dieser Entwicklungen erlaubt für sich genommen die Schlussfolgerung, hep sei zahlungsunfähig, insolvent oder habe rechtswidrig gehandelt.
In ihrer Gesamtheit rechtfertigen sie jedoch eine erhöhte Aufmerksamkeit hinsichtlich Kapitaldienst, Refinanzierung, Prognosequalität und Transparenz.
Für SCOREDEX liegt der entscheidende Prüfstein deshalb in den kommenden Monaten nicht in neuen Ankündigungen, sondern in überprüfbaren Ergebnissen: der tatsächlichen Rückführung ausstehender Nachrangdarlehen, der Abrechnung des ELTIF, der weiteren Entwicklung des operativen Cashflows und der Bedienung beziehungsweise Refinanzierung des Green Bonds bis zu seiner neuen Endfälligkeit.
Erst diese Entwicklungen werden zeigen, ob die operative Ergebniswende 2025 zugleich der Beginn einer nachhaltigen finanziellen Stabilisierung war.
Quellen und weiterführende Dokumente
Für diesen Faktencheck wurden insbesondere folgende öffentlich zugängliche Quellen und Dokumente ausgewertet:
- Konzernabschluss und Konzernlagebericht 2025 der hep global GmbH
- Veröffentlichungen der hep global GmbH zum Geschäftsjahr 2025 und zur Prognose 2026
- Veröffentlichungen und Anleiheinformationen zum Green Bond 2021/2026
- Beschlüsse der Anleihegläubiger zur Laufzeitverlängerung 2026
- Basisinformationsblätter des hep solar Invest ELTIF der HANSAINVEST LUX S.A.
- Produktinformationen und Verkaufsunterlagen zum hep solar Invest ELTIF
- öffentlich zugängliche Informationen zur Liquidation des hep solar Invest ELTIF
- Veröffentlichungen und öffentlich zugängliche Berichte zu hep opportunity 1 und hep opportunity 2
- BaFin-Informationen zu Nachrangdarlehen und qualifizierten Nachrangvereinbarungen
- § 19 und § 39 Insolvenzordnung
- einschlägige Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre
Abruf und Recherche: August 2026
Redaktioneller Hinweis
Dieser Beitrag ist ein redaktioneller SCOREDEX Faktencheck. Grundlage sind öffentlich zugängliche Unternehmensunterlagen, Finanzberichte, Produktunterlagen, regulatorische Dokumente und Veröffentlichungen Dritter.
SCOREDEX unterscheidet zwischen nachprüfbaren Tatsachen, Angaben des Unternehmens, Angaben Dritter und eigener redaktioneller Einordnung. Soweit Sachverhalte anhand öffentlich verfügbarer Informationen nicht abschließend verifiziert werden konnten, wird dies im Beitrag entsprechend kenntlich gemacht.
Rechtlicher Hinweis
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Die wirtschaftliche und rechtliche Situation von Unternehmen, Fonds und Finanzierungsinstrumenten kann sich jederzeit verändern. Anleger sollten vor finanziellen Entscheidungen die jeweils aktuellen Vertrags-, Fonds- und Emissionsunterlagen prüfen und bei Bedarf unabhängigen fachlichen Rat einholen.
Die dargestellten Einschätzungen beruhen auf dem zum Zeitpunkt der Recherche öffentlich verfügbaren Informationsstand.