Künstliche Intelligenz verändert Unternehmen, Finanzmärkte und Entscheidungsprozesse mit enormer Geschwindigkeit. Unternehmen automatisieren Abläufe, Investoren nutzen KI für Analysen und Verbraucher verlassen sich zunehmend auf Chatbots oder algorithmische Empfehlungen.
Gleichzeitig wächst die Unsicherheit: Wie zuverlässig ist KI wirklich – und wo liegen die Grenzen?
Darüber sprechen wir mit Max Maurischat, Geschäftsführer der SCOREDEX GmbH. Das Unternehmen beschäftigt sich mit Transparenzanalysen, Unternehmensbewertungen und datenbasierten Risikomodellen. Im Interview erklärt er, warum Datenqualität wichtiger wird als Algorithmen und welche Fehler Unternehmer beim Einsatz von KI vermeiden sollten.
Interview mit Max Maurischat, Geschäftsführer der SCOREDEX GmbH
SCOREDEX Redaktion: Herr Maurischat, wie zuverlässig ist KI aus Ihrer Sicht wirklich?
Max Maurischat: Die eigentliche Frage ist nicht, ob KI zuverlässig ist. Die wichtigere Frage lautet: Wie zuverlässig sind die Daten, die hineinfließen? Viele Menschen betrachten KI-Systeme inzwischen fast wie neutrale Instanzen. Das halte ich für gefährlich.
KI verarbeitet Informationen, erkennt Muster und berechnet Wahrscheinlichkeiten – aber sie kennt weder Wahrheit noch Realität. Was ich aktuell beobachte: Menschen akzeptieren Technologien oft schneller, als sie deren Grenzen verstehen. Genau deshalb braucht es einen bewussten und kontrollierten Umgang.
SCOREDEX Redaktion: Wo liegen aktuell die größten Risiken von künstlicher Intelligenz?
Max Maurischat:
Das größte Risiko bleibt die Datenbasis. Schlechte Daten erzeugen schlechte Ergebnisse – nur schneller und oft in größerem Maßstab. Veraltete Quellen, fehlender Kontext oder manipulierte Informationen können selbst sehr leistungsfähige Systeme in die falsche Richtung lenken.
Ein weiteres Problem ist die fehlende Transparenz vieler Systeme. Unternehmen implementieren KI-Lösungen häufig, ohne vollständig nachvollziehen zu können, wie bestimmte Ergebnisse überhaupt zustande kommen. Und wir unterschätzen die Skalierung von Fehlern. Ein menschlicher Irrtum betrifft vielleicht einzelne Entscheidungen. Ein algorithmischer Fehler kann tausende Prozesse gleichzeitig beeinflussen.
SCOREDEX Redaktion: Sie beschäftigen sich täglich mit Daten und Analysen. Nutzt SCOREDEX selbst KI?
Max Maurischat: Natürlich. Wer große Datenmengen analysiert, kommt daran heute kaum vorbei. Aber wir betrachten KI nicht als Ersatz für Menschen. Ich sehe künstliche Intelligenz eher als Verstärker menschlicher Fähigkeiten. Wir kombinieren algorithmische Verfahren mit manuellen Prüfungen, Quellenkontrollen und Plausibilitätschecks.
Gerade bei Unternehmensbewertungen reichen automatisierte Prozesse allein nicht aus. Mein persönlicher Grundsatz lautet deshalb: Je wichtiger die Entscheidung, desto größer sollte der menschliche Anteil bleiben.
SCOREDEX Redaktion: Viele Unternehmer nutzen ChatGPT und andere Systeme inzwischen für geschäftliche Entscheidungen. Ist das problematisch?
Max Maurischat: Problematisch wird es dann, wenn KI vom Werkzeug zur Autorität wird. Gerade bei Investitionen, Unternehmensbewertungen oder strategischen Entscheidungen sollte künstliche Intelligenz niemals die einzige Informationsquelle sein.
Ich empfehle Unternehmern grundsätzlich vier Dinge:
- Ergebnisse mit mehreren Quellen vergleichen
- Originaldaten prüfen
- Aktualität hinterfragen
- aktiv Gegenargumente suchen
Viele Menschen nutzen KI momentan eher zur Bestätigung bestehender Meinungen. Eigentlich sollte man Systeme genau andersherum einsetzen – nämlich um Denkfehler zu erkennen.
SCOREDEX Redaktion: Gab es Situationen, in denen Sie selbst KI-Ergebnissen zu stark vertraut haben?
Max Maurischat: Natürlich. Jeder, der intensiv mit KI arbeitet, erlebt Situationen, in denen Ergebnisse zunächst plausibel wirken und später unvollständig oder fehlerhaft erscheinen. Gerade deshalb bin ich überzeugt, dass Kontrollmechanismen unverzichtbar bleiben. Technologie entwickelt sich schnell – aber blinder Automatismus war noch nie eine gute Strategie.
SCOREDEX Redaktion: Wird KI klassische Recherche irgendwann ersetzen?
Max Maurischat: Nein, davon gehe ich nicht aus. Recherche verändert sich massiv, aber sie verschwindet nicht. Menschen liefern Erfahrung, Kontext, Einordnung und Verantwortungsbewusstsein. Genau diese Faktoren fehlen Maschinen bislang. KI wird Routineaufgaben übernehmen. Gleichzeitig wird die Fähigkeit, Informationen richtig einzuordnen, deutlich wertvoller. Ich glaube sogar, dass gute Analysten, Unternehmer und Journalisten künftig wichtiger werden – weil Orientierung knapper wird.
SCOREDEX Redaktion: Welche Fehler beobachten Sie aktuell bei Unternehmern und Gründern?
Max Maurischat:
Viele implementieren KI aus Angst, etwas zu verpassen. Ich sehe häufig Unternehmen, die zuerst Tools kaufen und erst danach überlegen, welches Problem sie eigentlich lösen möchten. Mein Rat lautet deshalb: Erst die Aufgabe definieren, dann die Technologie auswählen. Gründer sollten sich immer drei Fragen stellen:
- Welches Problem möchte ich lösen?
- Welche Datenbasis steht mir zur Verfügung?
- Wer überprüft die Ergebnisse?
Wer diese Fragen nicht beantworten kann, sollte kleiner anfangen.
SCOREDEX Redaktion: Welche konkreten Empfehlungen geben Sie Unternehmern beim Einstieg in KI?
Max Maurischat: Mein erster Rat lautet: klein starten. Viele Unternehmen streben sofort nach Vollautomatisierung. Sinnvoller sind Pilotprojekte mit klaren Kennzahlen und messbaren Ergebnissen. Zweitens sollten Unternehmen mehr Geld in Datenqualität investieren als in neue Software. Drittens müssen Mitarbeiter geschult werden.
Die größte Gefahr ist oft nicht die Technologie – sondern ihr falscher Einsatz. Und viertens sollten Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert werden. Transparenz wird künftig ein echter Wettbewerbsvorteil.
SCOREDEX Redaktion: Welche Entwicklung beobachten Sie beim Thema KI im Unternehmen derzeit besonders kritisch?
Max Maurischat: Die Geschwindigkeit. Viele Unternehmen integrieren KI deutlich schneller, als sie Governance-Strukturen, Qualitätskontrollen oder Verantwortlichkeiten aufbauen. Die eigentliche Zukunftsfrage lautet deshalb nicht: Wer besitzt die stärkste KI? Entscheidend wird sein, wer über die zuverlässigsten Daten, die beste Kontrolle und die höchste Transparenz verfügt.
Welche Rolle spielt dabei SCOREDEX?
SCOREDEX beschäftigt sich mit Unternehmensbewertungen, Transparenzanalysen und Risikoeinschätzungen. Nach eigenen Angaben kombiniert das Unternehmen algorithmische Analysen mit menschlicher Prüfung und datenbasierten Bewertungsverfahren.
Ziel ist es, Informationsasymmetrien zu reduzieren und wirtschaftliche Entscheidungen nachvollziehbarer zu machen.
Fazit
Die Diskussion über künstliche Intelligenz dreht sich längst nicht mehr nur um Technologie. Entscheidend werden Datenqualität, Kontrolle und Verantwortlichkeit.
Die zentrale Botschaft von Max Maurischat bleibt eindeutig:
KI kann Entscheidungen verbessern. Verantwortung übernehmen muss weiterhin der Mensch.

