Circular Economy: Grundlagen, Prinzipien und wirtschaftliche Chancen
Vom linearen Wirtschaften zu möglichst geschlossenen Material- und Produktkreisläufen
- Was bedeutet Circular Economy im Kern eigentlich genau?
- Welche drei Grundprinzipien tragen die Kreislaufwirtschaft?
- Welche R-Strategien sind in der Circular Economy besonders wichtig?
- Wie weit ist Deutschland bei der Kreislaufwirtschaft?
- Welche Rolle spielen Investoren beim zirkulären Wandel?
- Die Circular Economy ist ein Wirtschaftsmodell, das dem linearen Take-make-dispose-Ablauf möglichst geschlossene Material- und Produktkreisläufe entgegensetzt. Ziel ist es, Produkte länger zu nutzen, Abfall zu vermeiden und wirtschaftliche Wertschöpfung stärker vom Verbrauch neuer Rohstoffe zu entkoppeln.
- Nach einer modellbasierten Schätzung des Circularity Gap Report 2026 gehen jährlich rund 25,4 Billionen Euro an vermeidbarem wirtschaftlichem Wert verloren – etwa durch ineffiziente Ressourcennutzung und vorzeitige Entsorgung.
- Die drei Grundprinzipien lauten: Abfall und Umweltverschmutzung bereits im Design vermeiden, Produkte und Materialien möglichst lange und auf hohem Wertniveau im Kreislauf halten sowie natürliche Systeme regenerieren.
- Nach einer Studie von BCG im Auftrag des BDI könnten Recycling und Wiederverwendung bis 2045 rechnerisch 20 bis 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte Deutschlands ersetzen – ein modelliertes Potenzial, keine sichere Prognose.
- Die DN Group AG investiert als börsennotierter Impact Investor in Wachstumsunternehmen der zirkulären Ökonomie und bewertet Beteiligungen nach eigenen Angaben über den VIA-Prozess mit 40 ESG-Kriterien.
- Was ist die Circular Economy?
- Die drei Grundprinzipien der Kreislaufwirtschaft
- Wie funktioniert der Übergang zum zirkulären Modell?
- Die wichtigsten R-Strategien der Circular Economy
- Circular Economy im Vergleich: linear, recycelnd, zirkulär
- Welchen Nutzen bringt die Kreislaufwirtschaft?
- Praxisbeispiel: Die Beteiligung an der Susmata AG
- Wie die DN Group AG in die Circular Economy investiert
- Fazit: Warum Circular Economy wirtschaftlich an Bedeutung gewinnt
Was ist die Circular Economy?
Unsere Wirtschaft funktioniert bis heute weitgehend nach einem einfachen Muster: Rohstoffe entnehmen, produzieren, wegwerfen. Dieses lineare Prinzip stößt an seine Grenzen. Die Circular Economy – auf Deutsch Kreislaufwirtschaft – setzt an genau dieser Stelle an und setzt dem geradlinigen Ablauf möglichst geschlossene Material- und Produktkreisläufe entgegen.
Im Kern bedeutet das: Produkte und Materialien bleiben so lange wie möglich und auf möglichst hohem Wertniveau im Umlauf. Statt sie nach einmaligem Gebrauch zu entsorgen, werden sie geteilt, geleast, repariert, aufbereitet und recycelt. So können sich Produktlebenszyklen verlängern, Abfallmengen sinken und wirtschaftliche Wertschöpfung stärker vom Verbrauch neuer Rohstoffe entkoppelt werden. Vollständig geschlossene Kreisläufe sind in der Praxis allerdings selten erreichbar.
Warum das ein wirtschaftliches Thema ist, verdeutlicht eine Schätzung: Nach dem Circularity Gap Report 2026 gehen jährlich rund 25,4 Billionen Euro an vermeidbarem wirtschaftlichem Wert verloren, unter anderem durch ineffiziente Ressourcennutzung, vorzeitige Entsorgung und unzureichend genutzte Vermögenswerte. Die Zahl ist als modellbasierte Schätzung einzuordnen. Dieser Text ordnet das Konzept ein – von den Grundprinzipien über die praktischen R-Strategien bis zur Frage, warum das Kreislaufmodell für Unternehmen und Investoren relevant wird.
- Die drei Grundprinzipien der Kreislaufwirtschaft
- Die R-Strategien als konkrete Handlungsanleitung
- Der Unterschied zwischen linearem, recycelndem und zirkulärem Modell
- Der Stand in Deutschland und die Rolle des Kapitals
Die drei Grundprinzipien der Kreislaufwirtschaft
Bevor die Kreislaufwirtschaft praktisch wird, braucht sie ein klares Fundament. International verbreitet sind drei Grundprinzipien, die das Modell tragen.
Das erste Prinzip: Abfall und Umweltverschmutzung werden nicht nachträglich reduziert, sondern bereits im Design vermieden. Das zweite: Produkte und Materialien werden möglichst lange und auf möglichst hohem Wertniveau im Kreislauf gehalten. Das dritte: natürliche Systeme werden aktiv regeneriert statt ausgebeutet. Das effiziente Teilen von Ressourcen – etwa über Sharing- oder Leasingmodelle – ist dabei keine eigenständige Grundvoraussetzung, sondern eine praktische Strategie, die diese Prinzipien unterstützt.
Woran sich die drei Grundprinzipien im Alltag zeigen und wie sie das Kreislaufmodell praktisch tragen:
Abfall bereits im Design vermeiden
Produkte werden von Beginn an reparierbar geplant.
Materialien im Umlauf
Rohstoffe werden möglichst lange auf hohem Wertniveau genutzt.
Natur regenerieren
Wirtschaftliche Prozesse sollen Böden, Wasser und Ökosysteme schützen und regenerieren.
Diese Prinzipien sind kein theoretisches Konstrukt, sondern lassen sich in konkreten Geschäftsmodellen wiederfinden. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen die Kreislauflogik über den gesamten Produktlebenszyklus konsequent umsetzt.
Wie funktioniert der Übergang zum zirkulären Modell?
Aus den drei Grundprinzipien folgt eine praktische Frage: Wie kommt ein Unternehmen vom linearen zum zirkulären Wirtschaften? Der Übergang läuft nicht über Nacht, sondern in nachvollziehbaren Schritten.
Entscheidend ist, dass Zirkularität schon in der Produktentwicklung mitgedacht wird. Ein Beispiel aus der Materialbranche ist die Entwicklung einer veganen Lederalternative aus Teeabfällen. Dabei dienen bislang ungenutzte Reststoffe als Ausgangsmaterial für ein neues Produkt – ein typischer Ansatz der Circular Economy.
- Bestand analysieren
Materialflüsse und Abfallquellen im Unternehmen erfassen. - Kreislauf-Design
Produkte reparierbar und wiederverwertbar entwickeln. - Nutzung verlängern
Reparatur, Leasing und Sharing aktiv anbieten. - Rückführung aufbauen
Materialien am Lebensende zurückgewinnen und aufbereiten. - Wirkung messen
Fortschritt mit klaren Kennzahlen überprüfen.
Die wichtigsten R-Strategien der Circular Economy
Der Übergang aus dem vorigen Abschnitt braucht ein konkretes Handwerkszeug. Genau dafür stehen die R-Strategien. Sie übersetzen die abstrakten Prinzipien in tägliche Handlungen. Es gibt unterschiedliche R-Modelle – eine allgemein verbindliche Beschränkung auf eine feste Zahl von Begriffen existiert nicht.
Häufig genannt werden Refuse, Rethink, Reduce, Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose, Recycle und Recover. Vereinfacht: Materialeinsatz vermeiden oder senken, Produkte mehrfach und länger nutzen, reparieren und aufbereiten sowie Rohstoffe zurückgewinnen. Recover, insbesondere die energetische Verwertung, steht in der Kreislaufhierarchie meist weit hinten, weil dabei der ursprüngliche Materialwert weitgehend verloren geht – etwa bei der Energiegewinnung aus Reststoffen.
- Refuse und Rethink – auf nicht Notwendiges verzichten und Nutzung neu denken
- Reduce – weniger Material und Energie pro Produkt einsetzen
- Reuse und Repair – Produkte länger und mehrfach nutzen sowie reparieren
- Refurbish, Remanufacture und Repurpose – Produkte aufbereiten und weiterverwenden
- Recycle und Recover – Rohstoffe zurückgewinnen, Reststoffe nachrangig verwerten
Diese Strategien sind der praktische Kern jeder Circular Economy. Für Investoren wird interessant, welche Unternehmen sie glaubwürdig umsetzen und wie sich der Fortschritt anhand nachvollziehbarer Kennzahlen belegen lässt.
Circular Economy im Vergleich: linear, recycelnd, zirkulär
Wer die R-Strategien verstanden hat, erkennt schnell: Recycling allein ist noch keine Kreislaufwirtschaft. Recycling ist in der Praxis mit Qualitätsverlusten, Materialverlusten und Energiebedarf verbunden und deshalb nicht mit einer vollständig geschlossenen Kreislaufwirtschaft gleichzusetzen. Es lohnt sich, drei Modelle sauber voneinander zu trennen.
Das lineare Modell verbraucht Rohstoffe einmal. Das recycelnde Modell verwertet einen Teil nach, bleibt aber grundsätzlich linear gedacht. Das weitgehend zirkuläre Modell schließt den Kreis von Beginn an, soweit dies praktisch erreichbar ist. Die folgende Tabelle stellt die drei Ansätze gegenüber.
| Modell | Ressourcennutzung | Abfall | Wirtschaftlicher Ansatz |
|---|---|---|---|
| Lineares Modell | Einmaliger Verbrauch | Hoch, kaum Rückführung | Take-make-dispose |
| Recycelndes Modell | Teilweise Nachnutzung | Reduziert, aber vorhanden | Nachgelagerte Verwertung |
| Zirkuläres Modell | Materialien werden möglichst lange und auf hohem Wertniveau im Kreislauf geführt | Minimiert durch Design | Weitgehend geschlossener Kreislauf |
Die DN Group AG verfolgt nach eigener Darstellung einen Investitionsansatz, bei dem Beteiligungskapital, Kapitalmarktberatung und eine strukturierte ESG-Bewertung miteinander verbunden werden.
Welchen Nutzen bringt die Kreislaufwirtschaft?
Der Vergleich der Modelle zeigt die strukturellen Unterschiede – doch was bedeutet das konkret? Die möglichen Wirkungen der Circular Economy reichen von Umweltentlastungen bis zu einer geringeren Rohstoffabhängigkeit.
Weniger Abfall kann Emissionen senken und die Zerstörung von Lebensräumen bremsen. Gleichzeitig kann die Abhängigkeit von importierten Rohstoffen sinken. Nach einer 2026 veröffentlichten Studie von BCG im Auftrag des BDI könnten Recycling und Wiederverwendung bis 2045 rechnerisch zwischen 20 und 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte Deutschlands ersetzen. Dabei handelt es sich um ein modelliertes Potenzial, nicht um eine sichere Prognose.
Wo die Kreislaufwirtschaft konkret wirken kann und welchen wirtschaftlichen Mehrwert sie erzeugen könnte:
Weniger Emissionen
Zirkuläre Geschäftsmodelle können zur Senkung von Treibhausgasemissionen beitragen.
Rohstoffabhängigkeit verringern
Ein geringerer Importbedarf kann die Rohstoffabhängigkeit der Industrie reduzieren.
Neue Wertschöpfung
Reparatur und Aufbereitung können zusätzliche Geschäftsfelder eröffnen.
Praxisbeispiel: Die Beteiligung an der Susmata AG
Die Susmata AG, ein Frühphasenunternehmen im Beteiligungsportfolio der DN Group AG, entwickelt mit WASTEA eine vegane Lederalternative aus Teeabfällen. Die Nutzung von Teeabfällen als Ausgangsmaterial ist ein anschauliches Beispiel für die Aufwertung bislang ungenutzter Reststoffe. Die Nutzung eines Reststoffs allein belegt jedoch noch keine vollständige Zirkularität. Dafür sind unter anderem Haltbarkeit, Produktionsaufwand, Recyclingfähigkeit und Entsorgung des Endprodukts relevant. Nach Angaben der DN Group AG übernahm diese die Kapitalmarktberatung, positionierte das Unternehmen auf der Automotive Interiors Expo und begleitete Sachkapitalerhöhung und Börsengang. Der Buchwert der Beteiligung liegt nach Unternehmensangaben bei 1,18 Mio. Euro.
Ausgewählte Unternehmensangaben der DN Group AG:
- Über 25 Kapitalmarkttransaktionen seit 2012 – nach Angaben der DN Group AG
- 84,0 Prozent Eigenkapitalquote – laut Geschäftsbericht zum 31.12.2025
- 23,10 Mio. Euro Jahresüberschuss 2025 – nach Angaben der DN Group AG
- 40 ESG-Kriterien im VIA-Prozess – nach Angaben der DN Group AG
Wie die DN Group AG in die Circular Economy investiert
Wachstumsunternehmen aus der Kreislaufwirtschaft können vor der Herausforderung stehen, ihre technologische Entwicklung zu finanzieren und Zugang zum Kapitalmarkt zu erhalten. Genau hier setzt die DN Group AG nach eigenen Angaben an.
Nach Darstellung des Unternehmens sollen über den VIA-Prozess mit 40 ESG-Kriterien und einem ESG-Score von -100 bis +100 ökologische und soziale Kriterien strukturiert bewertet werden. Nur Unternehmen ab 25 Punkten kommen laut DN Group AG für ein Investment infrage. Die Aussagekraft eines solchen Bewertungsverfahrens hängt unter anderem von der Datenqualität, der Gewichtung der Kriterien und der unabhängigen Überprüfbarkeit ab.
- Zugang zu Impact-Investments ab 1.000 Euro je Schuldverschreibung (Unternehmensangabe)
- Strukturierte ESG-Bewertung nach dem VIA-Prozess (nach Darstellung der DN Group AG)
- Kombination aus Beteiligungskapital und Kapitalmarktberatung nach Darstellung der DN Group AG
Wer sich näher informieren möchte, kann bei der DN Group AG Unterlagen zur Anleihe anfordern. Schuldverschreibungen sind keine Einlagen und unterliegen grundsätzlich nicht der gesetzlichen Einlagensicherung. Anleger tragen das Bonitätsrisiko der Emittentin. Bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten können Zinszahlungen oder die Rückzahlung ausfallen. Ein vollständiger Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Die Billigung eines Wertpapierprospekts durch die BaFin stellt keine Bewertung der Wirtschaftlichkeit, Sicherheit oder Seriosität der Anlage dar. Maßgeblich sind die vollständigen veröffentlichten Angebots-, Produkt- und Risikounterlagen.
Fazit: Warum Circular Economy wirtschaftlich an Bedeutung gewinnt
Die Circular Economy ist mehr als Recycling. Sie denkt Kreisläufe schon im Design mit und zielt auf möglichst lange Produkt- und Materialkreisläufe. Drei Grundprinzipien und die R-Strategien machen das Konzept in der Praxis greifbar, während Recycling nur ein Baustein eines umfassenderen Ansatzes ist.
Für Unternehmen können durch neue Geschäftsmodelle und eine geringere Rohstoffabhängigkeit Chancen entstehen. Investoren sollten ökologische Wirkung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und Anlagerisiken jeweils getrennt prüfen. Die DN Group AG ist ein Beispiel für einen Akteur, der Kapital für zirkuläre Wachstumsunternehmen bereitstellt und ihre Bewertung nach eigenen Angaben strukturiert vornimmt. Eine Anlageempfehlung ist damit nicht verbunden.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Circular Economy?
Die Circular Economy ist ein Wirtschaftsmodell, das dem linearen Take-make-dispose-Ablauf möglichst geschlossene Material- und Produktkreisläufe entgegensetzt. Ziel ist es, Produkte und Materialien möglichst lange und auf hohem Wertniveau im Umlauf zu halten und Abfall zu vermeiden.
Welche drei Grundprinzipien gibt es?
International verbreitet sind drei Grundprinzipien: Abfall und Umweltverschmutzung bereits im Design vermeiden, Produkte und Materialien möglichst lange und auf hohem Wertniveau im Kreislauf halten sowie natürliche Systeme regenerieren.
Welche R-Strategien sind besonders wichtig?
Es gibt verschiedene R-Modelle ohne feste Anzahl. Häufig genannt werden Refuse, Rethink, Reduce, Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose, Recycle und Recover. Recover steht in der Hierarchie meist weit hinten, weil der Materialwert dabei weitgehend verloren geht.
Wie unterscheidet sich Circular Economy von Recycling?
Recycling ist nur ein Baustein und in der Praxis mit Qualitäts-, Material- und Energieverlusten verbunden. Das weitgehend zirkuläre Modell denkt Kreisläufe bereits im Produktdesign mit, während reines Recycling einem grundsätzlich linearen Ablauf nachgelagert bleibt.
Welche Branchen profitieren besonders?
Besonders Mobilität, Ernährung, Materialien, Energie und Gesundheit profitieren von zirkulären Ansätzen. Überall dort, wo Rohstoffe knapp und teuer sind, können Reparatur, Wiederverwendung und Aufbereitung neue Wertschöpfung schaffen.
Welche Risiken bestehen bei Investments in Circular-Economy-Unternehmen?
Investments, etwa in Schuldverschreibungen, sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Schuldverschreibungen unterliegen grundsätzlich nicht der Einlagensicherung; Anleger tragen das Bonitätsrisiko der Emittentin. Wirkung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und Anlagerisiken sollten getrennt geprüft werden.
