Nachhaltigkeitsbericht: Pflicht, Inhalte und Standards im Überblick

Von der Berichtspflicht nach CSRD bis zur Wesentlichkeitsanalyse – so entsteht ein Bericht, dem Investoren und Geschäftspartner glauben.

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Christoph Jan Richard Himmler
Dipl.-Kfm. mit Schwerpunkt im Marketing & Vertrieb
  • Wer muss ab wann einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen?
  • Welche Inhalte darf ein Bericht auf keinen Fall auslassen?
  • Worin unterscheiden sich ESRS, GRI und Nachhaltigkeitskodex konkret?
  • Wie lange dauert die Erstellung eines ersten Berichts?
  • Woran erkennen Leser Greenwashing in einem Nachhaltigkeitsbericht?
Wichtigstes in Kürze
  • Ein Nachhaltigkeitsbericht legt offen, wie ein Unternehmen in Umwelt, Soziales und Unternehmensführung handelt – mit Zielen, Kennzahlen und Fortschritten, nicht mit Absichtserklärungen.
  • Die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) verschiebt die Pflicht: Nach dem Omnibus-Vorschlag der EU-Kommission vom 26. Februar 2025 sollen deutlich weniger Unternehmen berichten müssen – erst ab mehr als 1.000 Beschäftigten mit entsprechender Bilanzsumme oder entsprechendem Umsatz.
  • Kern jedes Berichts ist die doppelte Wesentlichkeit: Sie zeigt, welche Themen finanziell relevant sind und wo das Unternehmen selbst Wirkung erzeugt.
  • Berichte ohne externe Prüfung und ohne benannte Schwachstellen verlieren an Glaubwürdigkeit – Vollständigkeit überzeugt Leser mehr als Hochglanzformulierungen.
  • SCOREDEX prüft seit 2012 über 20.000 Marktteilnehmer auf Transparenz und Reputation und zeigt, ob die Aussagen eines Berichts der Außenwahrnehmung standhalten.

Warum Nachhaltigkeitsberichte zur Vertrauensfrage geworden sind

Ein Nachhaltigkeitsbericht wird heute seltener von Behörden gelesen als von Investoren, Banken und Einkaufsabteilungen. Genau darin liegt die Verschiebung: Aus dem Pflichtanhang ist eine Belegsammlung für die eigene Seriosität geworden. Wer darin nur Absichten formuliert, produziert Angriffsfläche. Wer Zahlen, Methodik und Schwachstellen offenlegt, gewinnt Verhandlungsposition. Dieser Beitrag führt Sie von der Definition über die Berichtspflicht und die Standards bis zur konkreten Erstellung.

  • Definition und Abgrenzung zu Geschäftsbericht und Umwelterklärung
  • Wer nach CSRD und Omnibus-Paket berichten muss
  • Pflichtinhalte von der Wesentlichkeitsanalyse bis zur Prüfung
  • Vergleich von ESRS, GRI und Deutschem Nachhaltigkeitskodex
  • Ablauf der Erstellung und Merkmale glaubwürdiger Berichte

Was ist ein Nachhaltigkeitsbericht?

Ein Nachhaltigkeitsbericht ist ein veröffentlichtes Dokument, in dem eine Organisation offenlegt, wie sie ökologisch, sozial und in ihrer Unternehmensführung (ESG) agiert, welche Ziele sie verfolgt und welche Fortschritte sie erreicht hat. Er entwickelte sich aus den Umweltberichten der 1990er Jahre und deckt heute die drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales ab. Vom Geschäftsbericht unterscheidet er sich durch den Fokus auf nicht-finanzielle Wirkung, von der EMAS-Umwelterklärung durch die deutlich breitere Themenbasis.

  • Inhalt: Emissionen, Energieverbrauch, Arbeitsbedingungen, Lieferkette, Governance
  • Adressaten: Investoren, Kunden, Beschäftigte, Behörden, Geschäftspartner
  • Abgrenzung Geschäftsbericht: finanzielle Lage statt gesellschaftlicher Auswirkungen
  • Abgrenzung Umwelterklärung: nach EMAS rein ökologisch, ohne soziale Dimension
  • Funktion: Steuerungsinstrument des Nachhaltigkeitsmanagements, nicht Marketingbroschüre

Wer ist verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen?

Verpflichtet sind zunächst große kapitalmarktorientierte Unternehmen. Bisher galt in Deutschland das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz von 2017 mit der Schwelle von mehr als 500 Beschäftigten. Die CSRD hat diese Regelung abgelöst und den Kreis zunächst auf mehrere tausend Unternehmen erweitert. Am 26. Februar 2025 hat die EU-Kommission mit dem Omnibus-Paket eine Rücknahme vorgeschlagen: Berichten sollen künftig Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und entweder mindestens 25 Millionen Euro Bilanzsumme oder über 50 Millionen Euro Umsatz. Auch der Zeitplan bleibt in Bewegung: Ursprünglich sollte die CSRD erstmals für das Geschäftsjahr 2023 greifen, mit dem Omnibus-Paket stehen Schwellenwerte und Anwendungszeitpunkte erneut zur Verhandlung. Prüfen Sie deshalb den aktuellen Stand der nationalen Umsetzung, bevor Sie einen Zeitplan festlegen.

  • Direkt verpflichtet: große Unternehmen oberhalb der CSRD-Schwellenwerte
  • Indirekt betroffen: Zulieferer, die Nachweise für Kundenkonzerne liefern müssen
  • Freiwillig berichtend: Mittelstand, Start-ups mit Kapitalbedarf, Emittenten
  • Ort der Veröffentlichung: bei Berichtspflicht integriert im Lagebericht, freiwillige Berichte auch als eigenständige Publikation
  • Verantwortung: trägt die Geschäftsführung, nicht die Marketingabteilung

Für freiwillig berichtende Unternehmen zahlt sich der Aufwand meist doppelt aus: Die strukturierte Datenerhebung deckt Ineffizienzen im Energie- und Materialeinsatz auf, und der fertige Bericht verkürzt Ausschreibungen und Finanzierungsgespräche, in denen Kunden oder Banken ESG-Nachweise verlangen. In dieser Grauzone zwischen Pflicht und Freiwilligkeit arbeitet SCOREDEX: Die Plattform bewertet, wie transparent ein Unternehmen tatsächlich kommuniziert – ein Prinzip, das SCOREDEX etwa im Vergleich von Nachhaltigkeitsstandards angewendet hat, unabhängig davon, ob ein Unternehmen gesetzlich berichten muss.

Was gehört in einen Nachhaltigkeitsbericht?

Fünf Bestandteile bilden das Gerüst jedes belastbaren Berichts – unabhängig vom gewählten Standard.

Wesentlichkeitsanalyse

Zeigt, welche Themen finanziell wirken und wo Wirkung entsteht.

ESG-Kennzahlen

Belegen Emissionen, Energie, Diversität und Lieferkette mit Zahlen.

Strategie und Ziele

Beschreiben Maßnahmen, Zeithorizonte und den bisherigen Zielfortschritt.

Governance-Strukturen

Klären Zuständigkeit, Risikomanagement und Einbindung der Stakeholder.

Prüfung durch Dritte

Externe Verifizierung erhöht die Glaubwürdigkeit der veröffentlichten Daten.

Welche Standards gelten: ESRS, GRI oder Deutscher Nachhaltigkeitskodex?

Wie streng diese fünf Bestandteile abgefragt werden, hängt vom gewählten Rahmenwerk ab. Verpflichtend sind in der EU die European Sustainability Reporting Standards (ESRS); GRI und der Deutsche Nachhaltigkeitskodex sind freiwillige Alternativen. Die ESRS gehören zur CSRD und schreiben das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit vor. Die GRI-Standards der Global Reporting Initiative sind international verbreitet und freiwillig. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex bietet mit 20 Kriterien einen schlankeren Einstieg, der besonders für den Mittelstand tragbar bleibt. Daneben existieren weitere freiwillige Rahmenwerke wie die zehn Prinzipien des UN Global Compact, der SDG Compass, die B-Corp-Standards oder die Gemeinwohl-Bilanz. Sie überschneiden sich inhaltlich, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte – wer mehrere kombiniert, sollte die Zuordnung der Kennzahlen von Anfang an dokumentieren.

Rahmenwerk Verbindlichkeit Aufwand Zielgruppe
ESRS (CSRD) gesetzlich verpflichtend in der EU hoch, prüfungspflichtig große und kapitalmarktnahe Unternehmen
GRI-Standards freiwillig, international anerkannt mittel bis hoch international tätige Unternehmen
Deutscher Nachhaltigkeitskodex freiwillig, 20 Kriterien gering bis mittel Mittelstand, Erstberichterstatter
EMAS-Umwelterklärung freiwillig, zertifiziert mittel, rein ökologisch produzierende Betriebe
SCOREDEX Seriositätsprüfung (kein Berichtsstandard) ergänzende externe Gegenprüfung des Berichts gering, extern erstellt Unternehmen, die die Glaubwürdigkeit ihrer Berichtsaussagen belegen wollen

Nachhaltigkeitsbericht erstellen: So gehen Sie Schritt für Schritt vor

Steht das Rahmenwerk fest, beginnt die Arbeit an den Daten. SAP empfiehlt, mindestens zwei Jahre Vorlauf vor der ersten Meldefrist einzuplanen – vor allem wegen der abteilungsübergreifenden Datenerhebung. Sieben Schritte führen von der Planung bis zur Veröffentlichung.

  1. Projekt und Team aufsetzen
    Verantwortlichkeiten, Budget und Zeitplan früh verbindlich festlegen.
  2. Stakeholder einbinden
    Finanzen, Personal, Einkauf und Compliance gemeinsam einbeziehen.
  3. Wesentlichkeitsanalyse durchführen
    Themen nach doppelter Wesentlichkeit bewerten und dokumentieren.
  4. Daten erheben und prüfen
    Kennzahlen sammeln, Quellen dokumentieren, Lücken sichtbar machen.
  5. Ziele und Maßnahmen festlegen
    Messbare Zielwerte mit Fristen statt allgemeiner Absichtserklärungen.
  6. Bericht schreiben und prüfen lassen
    Entwurf erstellen, extern verifizieren, Widersprüche vorab beseitigen.
  7. Veröffentlichen und kommunizieren
    Bericht im Lagebericht platzieren und aktiv kommunizieren.

Die größten Hürden entstehen selten beim Schreiben. In der Praxis stockt ein Erstbericht an drei Stellen: Kennzahlen liegen in getrennten Systemen und lassen sich nicht ohne manuelle Nacharbeit zusammenführen, Daten aus der vorgelagerten Lieferkette fehlen oder sind nicht vergleichbar, und die Zuständigkeit für die Datenqualität ist zwischen Fachabteilungen nicht eindeutig geregelt. Wer diese drei Punkte vor dem Projektstart klärt, verkürzt die Erstellung spürbar.

Nachhaltigkeitsbericht-Beispiele: Was gute Berichte auszeichnet

Der Ablauf allein garantiert keine Qualität. Das Ranking der Nachhaltigkeitsberichte zeigt, woran sich Spitzenberichte messen lassen: Assmann erreichte 2021 als bester Mittelständler 77,4 von 100 Punkten, die Deutsche Telekom bei den Großunternehmen 72,2 Punkte. Auffällig ist, dass die Jury besonders Offenheit belohnt – Lebensbaum wurde ausdrücklich für die kritische Darstellung eigener Rückschläge ausgezeichnet. Wer nur Erfolge zeigt, wirkt am Ende schwächer als ein Unternehmen, das eigene Defizite offen benennt. Ein gutes Beispiel für einen Nachhaltigkeitsbericht zeigt deshalb immer beide Seiten: erreichte Fortschritte und offene Baustellen.

  • Nachvollziehbare Methodik: Wesentlichkeitsanalyse und Stakeholderprozess werden erklärt
  • Vollständige Kennzahlen: keine selektive Auswahl der günstigsten Werte
  • Benannte Schwachstellen: Rückschläge und offene Ziele werden eingeräumt
  • Externe Verifizierung: unabhängige Prüfung der Daten statt Eigenaussage
  • Typischer Fehler: Bildsprache und Superlative ersetzen fehlende Daten
  • Greenwashing-Risiko: Aussagen im Bericht widersprechen der öffentlichen Wahrnehmung

Diesen letzten Punkt prüft SCOREDEX systematisch: Der Abgleich zwischen Selbstdarstellung und externen Quellen deckt Widersprüche auf, bevor Investoren oder Medien sie finden.

Unsere Erfahrung bei SCOREDEX mit Transparenzberichten

„Transparenz ist kein Selbstzweck – sie ist die Grundlage für Vertrauen und nachhaltige Geschäftsbeziehungen“, sagt Max Maurischat, Geschäftsführer der SCOREDEX GmbH. Diese Haltung ist das Ergebnis von über 20.000 Prüfungen seit 2012.

Ein wiederkehrendes Muster aus der Prüfpraxis: Unternehmen veröffentlichen umfangreiche Nachhaltigkeitsangaben, während parallel Gesellschaftsstrukturen unklar bleiben und öffentliche Angaben sich widersprechen. SCOREDEX wertet in solchen Fällen über 30 Datenquellen aus, gleicht Register-, Medien- und Reputationsdaten mit der Selbstdarstellung ab und bildet das Ergebnis im Trust-Score von 0 bis 1000 ab. Mehrfach hat dieser Abgleich dazu geführt, dass Kunden eine riskante Entscheidung rechtzeitig überdacht haben.

  • 20.000+ geprüfte Marktteilnehmer — Praxisbasis aus über 13 Jahren Analyse
  • 30+ Datenquellen je Prüfung — öffentliche und qualifizierte Quellen kombiniert
  • Score 0–1000 in fünf Stufen — von UNGENÜGEND bis HERVORRAGEND

Medien wie Focus.de, Börse Online und die Frankfurter Rundschau haben über SCOREDEX-Bewertungen berichtet.

Wie SCOREDEX Ihre Nachhaltigkeitskommunikation überprüfbar macht

Ein Bericht überzeugt erst, wenn seine Aussagen einer Prüfung von außen standhalten. An diesem Punkt setzt SCOREDEX an.

  • Das SCOREDEX-Abzeichen ist nicht käuflich – nur wer den Mindestscore erreicht, erhält es
  • Die Bewertung erfasst auch die Geschäftsführung, die für den Bericht verantwortlich zeichnet
  • Laufendes Monitoring meldet Reputationsveränderungen, bevor sie eskalieren

Starten Sie mit dem SCOREDEX Faktencheck als günstigem Einstieg und lassen Sie prüfen, wie Ihr Unternehmen von außen wahrgenommen wird.

Fazit

Ein Nachhaltigkeitsbericht ist so viel wert wie seine Nachprüfbarkeit. Die CSRD gibt den Rahmen, die ESRS die Struktur, doch die Wirkung entscheidet sich an Datenqualität, offen benannten Schwachstellen und externer Verifizierung. Prüfen Sie zuerst, ob Sie berichtspflichtig sind, wählen Sie dann ein Rahmenwerk, das zu Ihrer Größe passt, und planen Sie ausreichend Vorlauf ein. Wer zusätzlich von außen prüfen lässt, wie glaubwürdig die eigenen Aussagen wirken, verschafft sich einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die nur berichten. Lassen Sie Ihre Transparenz prüfen, bevor Investoren, Banken oder Einkaufsabteilungen es tun.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Nachhaltigkeitsbericht?

Ein Nachhaltigkeitsbericht legt offen, wie ein Unternehmen in Umwelt, Soziales und Unternehmensführung handelt. SCOREDEX ordnet solche Angaben ein, indem sie mit öffentlichen Quellen und der tatsächlichen Reputationslage abgeglichen werden.

Wer ist verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen?

Nach dem Omnibus-Vorschlag der EU-Kommission vom Februar 2025 sollen Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden berichten, sofern sie 25 Millionen Euro Bilanzsumme oder 50 Millionen Euro Umsatz erreichen.

Was gehört in einen Nachhaltigkeitsbericht?

Wesentlichkeitsanalyse, ESG-Kennzahlen, Strategie mit messbaren Zielen, Governance-Strukturen und idealerweise eine Prüfung durch Dritte. Ohne belastbare Daten bleibt der Bericht eine Absichtserklärung ohne Aussagekraft.

Wer erstellt einen Nachhaltigkeitsbericht?

Die Verantwortung liegt bei der Geschäftsführung, operativ arbeiten Finanzen, Personal, Einkauf und Compliance zusammen. SCOREDEX übernimmt die externe Einordnung der Außenwirkung, ersetzt aber keine Wirtschaftsprüfung.

Wie lange dauert die Erstellung eines Berichts?

Für den Erstbericht sollten Sie rund zwei Jahre Vorlauf einplanen. Den größten Zeitanteil beansprucht nicht das Schreiben, sondern die abteilungsübergreifende Datenerhebung und deren Qualitätssicherung.

Gibt es ein gutes Nachhaltigkeitsbericht-Beispiel zur Orientierung?

Die im Ranking der Nachhaltigkeitsberichte ausgezeichneten Berichte von Assmann (77,4 Punkte) und der Deutschen Telekom (72,2 Punkte) gelten als Orientierung, vor allem wegen ihrer Methodentransparenz und offen benannten Defizite.

Wie vermeide ich den Vorwurf von Greenwashing?

Belegen Sie jede Aussage mit Daten, benennen Sie offene Ziele und lassen Sie extern prüfen. Der SCOREDEX Faktencheck zeigt, ob Ihre Darstellung mit der öffentlichen Wahrnehmung übereinstimmt.

Christoph Himmler

SCOREDEX Research

Analyst bei SCOREDEX – spezialisiert auf Unternehmenstransparenz, ESG-Bewertungen und Marktanalysen im DACH-Raum.

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