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Wie die Blue Energy Group kommunale Wärmenetze versorgen kann

Heino Ziessnitz

SCOREDEX Analyst

23. Okt.. 2026 8 Min. Lesezeit

Die Blue Energy Group AG will Kommunen und Stadtwerke mit dezentralen Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung versorgen. Der Blue Energy Cube verbindet Vergasungstechnik mit aufbereiteten Brennstoffen aus Biomasse und geeigneten Reststoffen. Für kommunale Wärmenetze kann der Ansatz da interessant sein, wo eine regelmäßige Wärmeabnahme und eine verlässliche Brennstoffversorgung zusammenkommen.

Der aktuelle Anlass ist die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung: Die erste gesetzliche Planungsfrist endete am 30. Juni 2026. Damit stellt sich für die betroffenen Städte zunehmend die Frage, welche Erzeugungsanlagen ihre künftige Wärmeversorgung tragen sollen. Die Blue Energy Group setzt dabei auf die Verbindung von Anlagenbau und Brennstoffversorgung.

Das Wichtigste zum Blue Energy Cube in Kürze

  • Technik: Der Blue Energy Cube erzeugt ein brennbares Gas aus geeigneten Einsatzstoffen, das zur weiteren Energiegewinnung genutzt werden kann.
  • Entwicklungsansatz: Eine von innen arbeitende Luftzuführung soll nach Unternehmensangaben größere Vergasungsreaktoren ermöglichen.
  • Brennstoffmodell: Die Blue Energy Group bietet aufbereitete Blue Energy Sticks an; auch eine Herstellung durch Kunden mit Unterstützung des Unternehmens ist vorgesehen.
  • Projektstand: Das im Oktober 2026 veröffentlichte Unternehmensporträt unterscheidet zwischen einer laufenden Demonstrationsanlage und kommerziellen Anlagen im Aufbau.
  • Marktchance: Die kommunale Wärmeplanung eröffnet Einsatzmöglichkeiten, führt aber erst mit konkreten Investitionsentscheidungen zu Aufträgen.

Wärmeplanung 2026: Die Erzeugungsanlage wird zur konkreten Investitionsfrage

Für Gemeindegebiete mit mehr als 100.000 Einwohnern musste nach § 4 Wärmeplanungsgesetz bis zum 30. Juni 2026 ein Wärmeplan erstellt werden. Für Gemeindegebiete mit höchstens 100.000 Einwohnern läuft die Frist bis zum 30. Juni 2028. Maßgeblich ist jeweils die Einwohnerzahl am 1. Januar 2024.

Die Planung soll unter anderem zeigen, welche Gebiete sich für Wärmenetze eignen und welche Energiequellen vor Ort infrage kommen. Anschließend müssen Netzbetreiber und Kommunen die Versorgung technisch und wirtschaftlich ausgestalten.

Genau hier setzen die kommunalen Versorgungslösungen der Blue Energy Group an. Neben der Anlagentechnik beschreibt das Unternehmen die Begleitung von Wärmeversorgungskonzepten. Es will damit Aufgaben zwischen Standortplanung, Energieerzeugung und Einbindung in vorhandene Infrastruktur übernehmen.

Ein Wärmeplan allein ist allerdings noch keine Investitionsentscheidung. Nach § 23 Wärmeplanungsgesetz begründet er keine einklagbaren Rechte oder Pflichten. Für den Anlagenbau werden deshalb insbesondere die anschließenden Projektbeschlüsse, Abnahmevereinbarungen und Finanzierungsentscheidungen relevant.

Was den technischen Ansatz der Blue Energy Group ausmacht

In ihrer Projektbeschreibung zur Entwicklung des Blue Energy Cube erläutert die Blue Energy Group eine Vergasungstechnologie für biogene Rohstoffe wie Pellets. Als wesentliches Entwicklungselement nennt sie eine patentangemeldete Lufteinheit, die das Vergasungsmedium von innen in den Reaktor einbringt.

Das technische Ziel ist eine gleichmäßige Versorgung des Reaktionsraums auch bei größeren Abmessungen. Damit richtet sich der Ansatz auf Anwendungen, deren Energiebedarf über den kleiner Einzelanlagen hinausgeht.

Nach den im Unternehmensporträt zur Blue Energy Group und ihrer Kraftwerkstechnik wiedergegebenen Unternehmensangaben reicht die Leistungsklasse bis 2.200 Kilowatt elektrisch. Die genannte Grundfläche beträgt rund zwölf mal zwölf Meter bei ausgelagerter Brennstoffaufbereitung. Diese Angaben beschreiben das Anlagenkonzept; sie ersetzen keine standortbezogene Planung.

Für ein kommunales Projekt ist deshalb nicht nur der Platz für das eigentliche Aggregat entscheidend. In die Planung gehören ebenso Brennstoffanlieferung, Lagerung, Wartungszugänge und die Verbindung zum Wärmenetz. Der Vorteil einer kompakten Erzeugungseinheit liegt darin, zusätzliche Standortmöglichkeiten prüfen zu können.

Blue Energy Sticks verbinden Brennstoffaufbereitung und Energieerzeugung

Zum Konzept gehören die Blue Energy Sticks aus aufbereiteten Biomassen und geeigneten Reststoffen. Nach Angaben des Unternehmens werden dafür geeignete Ausgangsmaterialien zerkleinert und verdichtet. Genannt werden unter anderem Holzabfälle, Hackschnitzel und Pflanzenreste. Auch bestimmte nicht recycelbare Abfallstoffe zählen zum beschriebenen Entwicklungsspektrum.

Die Sticks können laut Anbieter bezogen oder mit dessen Unterstützung selbst hergestellt werden. Damit umfasst das Angebot sowohl den Brennstoff als auch die Organisation seiner Aufbereitung.

Für kommunale Betreiber ist diese Verbindung wirtschaftlich relevant: Eine Anlage benötigt über ihre Betriebszeit Brennstoff in definierter Qualität. Unterschiedliche Ausgangsmaterialien können zusätzliche Beschaffungsmöglichkeiten eröffnen. Ob daraus ein Kostenvorteil entsteht, hängt jedoch von Aufbereitung, Transport und den vertraglich vereinbarten Lieferbedingungen ab.

Für eine Bewertung sollte daher die gesamte Versorgungskette betrachtet werden. Günstiger Rohstoff führt nicht automatisch zu günstiger Wärme, wenn seine Verarbeitung aufwendig ist. Umgekehrt kann eine organisierte regionale Versorgung helfen, Beschaffung und Logistik besser auf den Anlagenbetrieb abzustimmen.

Demonstrationsanlage, Kundenprojekt und Heizkraftwerk: Der Entwicklungsstand

Das Squarevest-Porträt vom 22. Oktober 2026 beschreibt drei unterschiedliche Entwicklungsstufen. Die Angaben beruhen auf der dort wiedergegebenen Unternehmensdarstellung.

Anlage oder Projekt Berichteter Stand Bedeutung
Eigene Demonstrationsanlage Seit November 2022 in Betrieb Erprobung und Weiterentwicklung der Technik
Prinz-Eugen-Energiepark Als erster Anlagenkunde genannt; erste kommerzielle Anlage laut Porträt im Aufbau Übergang zur betrieblichen Anwendung
Heizkraftwerk Senden Inbetriebnahme nach Neukonzeption für Mitte 2027 vorgesehen Geplante Stromerzeugung und Wärmeversorgung über die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm

Für das Heizkraftwerk Senden nennt das Porträt 4,5 Megawatt elektrische und 6 Megawatt thermische Leistung als Auslegung des Gesamtprojekts. Die Werte sind von der Leistungsklasse eines einzelnen Cube zu unterscheiden. Diese angekündigte Inbetriebnahme ist ein Planungstermin, kein Nachweis bereits laufender Erzeugung.

Diese Unterscheidung macht die Unternehmensentwicklung greifbar. Die Demonstrationsanlage dient der technischen Arbeit. Kommerzielle Projekte sollen zusätzlich zeigen, wie sich die Anlagen unter dauerhaften Lieferverpflichtungen betreiben lassen.

Für Stadtwerke werden dabei besonders die nutzbare Wärmemenge, Anlagenverfügbarkeit und laufenden Betriebskosten aussagekräftig. Solche Daten erleichtern es, ein Versorgungskonzept auf weitere Standorte zu übertragen.

Wo der Cube in einem Wärmenetz sinnvoll eingesetzt werden kann

Ein kommunales Wärmenetz muss über das Jahr sehr unterschiedliche Lasten abdecken. Wohngebäude benötigen im Winter deutlich mehr Wärme als im Sommer. Gewerbliche oder industrielle Abnehmer können zusätzliche, anders verteilte Nachfrage einbringen.

Für die Auslegung eines Cube-Projekts ist daher entscheidend, welcher Wärmebedarf regelmäßig vorhanden ist. Die maximale Leistung allein sagt wenig darüber aus, wie viel Energie tatsächlich genutzt und abgerechnet werden kann.

Auch der gesetzliche Rahmen beeinflusst die Zusammensetzung der Erzeugung. Die Vorgaben für erneuerbare Energien in neuen Wärmenetzen verlangen seit dem 1. März 2025 mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien, unvermeidbare Abwärme oder eine Kombination daraus, bezogen auf die jährliche Nettowärmeerzeugung. In neuen Netzen mit mehr als 50 Kilometern Länge ist der Biomasseanteil grundsätzlich auf 25 Prozent der jährlich erzeugten Wärmemenge begrenzt. Die Vorschrift enthält Ausnahmen.

Der Blue Energy Cube ist deshalb als möglicher Bestandteil eines örtlichen Versorgungssystems zu bewerten. Welche Rolle er übernehmen kann, ergibt sich aus Netzgröße, Brennstoff, Wärmebedarf und dem Zusammenspiel mit anderen Erzeugern.

Eine technische und wirtschaftliche Due Diligence vor der Investition sollte diese Größen zusammenführen. Dazu gehört eine Kalkulation, die auch geringere Auslastung oder höhere Brennstoffkosten berücksichtigt. So lässt sich beurteilen, welche Anlagengröße zum Standort passt.

Erdgasersatz bleibt eine gesonderte Entwicklungsaufgabe

Neben Strom und Wärme untersucht die Blue Energy Group weitere Anwendungen des erzeugten Gases. Für die Einordnung ist dabei die Unterscheidung zwischen einem brennbaren Produktgas und einem für das Erdgasnetz geeigneten Gas wesentlich.

Das Unternehmen führt die Methanisierung von Holzgas zur Einspeisung ins Erdgasnetz ausdrücklich als künftiges Projekt. Vorgesehen ist die Entwicklung einer Prozesskette von der Holzgasproduktion über die Methanisierung bis zur Netzaufbereitung.

Die Perspektive einer späteren Netzeinspeisung sollte daher nicht mit dem heutigen Angebot zur dezentralen Energieerzeugung gleichgesetzt werden. Für kommunale Wärmeprojekte bleibt zunächst die konkrete Nutzung am jeweiligen Standort maßgeblich.

Fazit

Die Blue Energy Group verbindet mit dem Blue Energy Cube zwei Aufgaben der kommunalen Wärmeversorgung. Die Blue Energy Group verbindet mit dem Blue Energy Cube die dezentrale Energieerzeugung mit der Bereitstellung geeigneter Brennstoffe. Ihr Ansatz ist vor allem für Standorte interessant, an denen regelmäßiger Wärmebedarf und eine verlässliche Brennstoffversorgung zusammenkommen.

FAQ

Ist der Blue Energy Cube eine Anlage für einzelne Wohnhäuser?

Das hier beschriebene Angebot richtet sich an größere Anwendungen wie kommunale Versorgungssysteme und gewerbliche Standorte. Einzelne Wohnhäuser könnten gegebenenfalls über ein angeschlossenes Wärmenetz versorgt werden.

Entspricht die elektrische Leistung auch der Wärmeleistung?

Nein. Elektrische und thermische Leistung bezeichnen unterschiedliche Energieabgaben. Für die Planung eines Wärmenetzes sind die nutzbare thermische Leistung und die über das Jahr lieferbare Wärmemenge entscheidend.

Bedeutet die kompakte Grundfläche, dass keine weiteren Betriebsflächen nötig sind?

Nein. Die genannte Fläche betrifft das Anlagenkonzept bei ausgelagerter Brennstoffaufbereitung. Der gesamte Standort muss zusätzlich unter anderem Anlieferung, Lagerung, Wartung und Anschlüsse berücksichtigen.

Müssen Kunden die Blue Energy Sticks dauerhaft beim Hersteller kaufen?

Nach Anbieterangaben ist neben dem Bezug auch eine Herstellung durch Kunden mit Unterstützung der Blue Energy Group möglich. Welche Variante vorgesehen ist, muss im jeweiligen Projekt technisch und vertraglich geklärt werden.

Garantiert die kommunale Wärmeplanung einen späteren Fernwärmeanschluss?

Nein. Der Wärmeplan allein begründet keinen einklagbaren Anschlussanspruch. Dafür sind konkrete Ausbauentscheidungen und Vereinbarungen mit dem zuständigen Betreiber erforderlich.

Quellen

Redaktionsstand: 22. Oktober 2026

Heino Ziessnitz

SCOREDEX Research

Analyst bei SCOREDEX – spezialisiert auf Unternehmenstransparenz, ESG-Bewertungen und Marktanalysen im DACH-Raum.

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